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Mirko

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Mirko geht nach China – schon wieder!

Sunday, 13 February 2011 01:33 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Ein knappes Jahr Pause bei nur fünf Wochen zwischenzeitlicher Rückkehr waren genug, jetzt geht Mirko wieder nach China. Wieder für ein Jahr. Mindestens. Drum wird das hier ein richtiges Fest der gedanklichen Ergüsse, der Freuden und des Leids eines Studenten und natürlich abermals der kulturellen Güter der Sonderklasse!
Viele fragten mich, warum ich schon wieder nach China geh und nicht irgendwo anders, bzw. ich nicht in Deutschland bleibe, bei Familie und Freunden. Dafür gibt es mehrere Gründe, die hier aufgeführt werden:
Grund 1: Warum nicht?
Grund 2: Weil ich's kann. Ich verfüge über eine ausgeprägte Sprachkenntnis, einem schlauen Köpfchen, Humor, wenig Ekel und, Dank meiner Familie, über die finanziellen Mittel, um das hier zu stemmen. Gut, viele mögen darüber verfügen, aber ich besitze zudem noch den Mut und viele positive Eindrücke von den letzten Malen.
Grund 3: Wegen meiner Oma. Meine Oma hat sich im letzten Jahr desöfteren unterschwellig beklagt, dass sie jetzt nicht mehr mit ihren Enkeln angeben kann, wenn sie einer anderen Tratschtante mal kurz wieder einen einschenken will. Oma, ich gehe nur dir zuliebe!
Grund 4: Ich gehe nicht alleine. Im Gepäck lungert mein kleiner Prachtbub, der nicht sehr über die in Grund 2 erwähnten Eigenschaften verfügt und den es zu beschützen gilt, sodass er nicht als psychisches Wrack in die Heimat zurückkehren muss. Seine Sicht der Dinge wird in seinem Blog zu lesen sein, man folge dazu diesem Link! Da ich nun in einem kleinen Wettbewerb stehe, darf man auf die poetischen Niederschriften des nächsten Jahres gespannt sein!

Selbstredend könnte ich hier noch viele Gründe nennen, will ich aber nicht. Sonst kämt ihr ja alle!
 

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China #2.14 In jedem Flieger sitzt ein weinendes Baby.

Monday, 04 October 2010 12:03 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Eine Aussage, an der es augenscheinlich nichts zu rütteln gibt. Und auch für Busfahrten trifft das zu. Ja, es ist ein Baby. Babys weinen. Aber das müssen sie doch nicht die ganze Zeit und aus lächerlichen Gründen wie Druckverlust, Luftlöcher, Schlaglöcher oder Vollbremsungen… Schlimmer als ein weinendes Baby ist dann aber noch die Mutter eines weinenden Babys. Denn die ist mit der Situation total überfordert und tut dann das, was man vielleicht nicht unbedingt tun sollte: Zurückschreien. Naja, iPod hilft da.
So geschehen ist es zum Beispiel auf dem Flug nach Chongqing. Chongqing ist geht so. Industriestadt mit steigender Bevölkerungszahl, in den Bergen am Yangze-Fluss gelegen und somit von der Fläche eingegrenzt, drum wird überall was dazwischen oder noch drauf gebaut, Luft ist schlecht und außerdem soll es ne Terroristenhochburg sein. Trotzdem gab’s ein paar schöne Ecken, wenn auch nicht so sauber. In einem Restaurant war das Klo besetzt. Von ner Ratte. Später begegnete mir das Vieh auch noch im Speisesaal. Ohne sich die Hände gewaschen zu haben…
Zwei Tage Chongqing reichten, dann ging’s mit dem Bus nach Langzhong, Minis Heimat. Langzhong hingegen ist sehr schön. An drei Seiten vom Fluss begrenzt, an der letzten von Bergen, wenige Hochbauten, gute Luft, kühleres Klima, Berge, Parks und so weiter. Die Mutter kümmerte sich vorbildlich um mich, Sorgen hatte ich absolut keine. Vormittags wurde man stets geweckt, da einige „Tanten“ (also Mitarbeiterinnen der Mutter) den „Mitarbeiter“ der Tochter (ich, offiziell) treffen wollten. Luden somit zum Essen ein. Meistens Feuertopf mit frischen Fischen aus dem Fluss. Sehr gut. Und nie bekam ich Magenprobleme, obwohl das bei Feuertopf eigentlich Tradition ist. Wenn neben den „Tanten“ auch noch „Onkel“ mit am Tisch saßen, wurde gebechert. Klar, der Deutsche trinkt ja gerne Bier. Und wenn es direkt nach dem Aufstehen ist. So gingen gerne mal innerhalb einer Stunde Essens 14 halbe Liter Humpen Bier weg, für 2,5 bis maximal 3 Trinker. Während die Onkel dann wieder mit dem Moped zur Arbeit fuhren, gab’s Sightseeing, abends luden abermals irgendwelche Tanten zu Speis und Trank. Es war eine sehr angenehme, unkomplizierte Woche, da die Thesis auch auf der Fahrt dorthin fertig geworden war, kam mit freiem Kopf endlich Urlaubsstimmung auf. Langzhong ist übrigens bekannt für seine Seide und für das tolle Trockenfleisch. Kein Wunder, dass anschließend mein Koffer mit Geschenken vollgepackt war.
Die Fahrt anschließend von Langzhong nach Chengdu, Hauptstadt Sichuans, war besonders toll. Das Busterminal stank schön stark nach Urin, nur der Mercedes-Bus, Geschenk von Kässbohrer an China, versprach von Außen, des Images wegen, viel. Aber Kässbohrer hatte noch ein paar Ersatzsitze mitgeliefert und die wurden artig zwischen die normalen Reihen geschustert, sodass der längste und dickste Mensch im Bus, ich, letztendlich in der engsten Reihe saß. Hinzu kam, dass der Sitz vor mir kaputt war und bei jedem Schlagloch die Lehne nach hinten sprang (also ein wenig, denn eigentlich wurde sie von meinem Knie gehalten) und hinter mir ein o.b. Baby saß. Das schrie nicht so sehr, hätte es aber mal. Denn die Mutter fühlte sich so darin bestärkt, dass ihre kläglichen Pfeifversuche das Kind beruhigten und ununterbrochen mit jedem Atemzug ein Zischen hervorbrachte. Nervtötend. Aber egal, iPod hilft und manchmal habe ich mich ihr angeschlossen. Weiterer Höhepunkt war natürlich die Lederimitation auf den Sitzen, die das Gesäß nur geringfügig atmen ließ und ich später in einer angenehm warmen Schweißbrühe saß. Die dreihundert Kilometer, runtergerissen in nur fünf Stunden, waren somit sehr wertvoll für das frisch aufgebaute Urlaubsfeeling.
Chengdu war wiederum geht so. Eigentlich toll, aber man hat alle Baustellenwerkzeuge aus Shanghai vom letzten Jahr importiert, so scheint es, denn einfach überall wurde gebaut; Straßen, Häuser, Parks, selbst unser Hostel. Dadurch sah man nicht nur deshalb so wenig, weil alles hinter Bauzäunen steckte, sondern auch, weil man kaum irgendwo hinkam. Mit dem Taxi haben wir eines nachmittags für drei Kilometer eine Stunde gebraucht, und das lange vor der Feierabendzeit.
Hätten wir es früher nach Chengdu geschafft, hätten wir bestimmt ein Angebot des Hostels, nach Tibet zu fahren, angenommen, aber so wurde die meiste Zeit mit Shopping und Ruhen verbracht.
Jetzt sitze ich in Dubai. Gerade gelandet, gleich geht’s weiter. Der Flug hierher war fantastisch, irgendwie wurde ich in die Business-Klasse versetzt. Hab mich zunächst wie ein Anfänger verhalten, als ich fragte, ob es noch eine zweite Reihe 10 gäbe. Hab dann auch gemerkt, dass jeder mich als Anfänger identifizieren konnte, weil bei meinem Sitz der weiße Kopf-Überzug plus die Flasche Wasser fehlten. Hab das Schamgefühl schnell mit ein paar Gläsern Schampus runtergespült, gefolgt von feinstem Wein. Roter. Gaumenschmaus. Blöd war nur die Italienerin neben mir, die die absolut bescheuerte Liebesromanze „Letters for Juliet“ gucken musste. Dreimal! Weil sie immer wieder eingeschlafen ist. Musste mir den Film einmal antun und selbst Mini als Frau fand ihn widerlich und übertrieben. Aber der Rotwein verhalf mir auch hier, aufkeimende Aggressionen ob dieser Bilder, zu denen ich jeden Dialog aufsagen könnte, zu unterdrücken. Das Essen war übrigens auch allererster Sahne!
Ein Baby hörte ich übrigens erst bei der Landung weinen. Irgendwo weiter hinten, in der Pöbelklasse.
So, Aufruf, ich soll zum Gate.
Macht’s gut, ihr Pappnasen!

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Rattenfänger & China #2.11 Expo

Friday, 10 September 2010 10:36 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Rattenfänger

Wenn ich in der letzten Woche nicht gerade unterwegs war zu irgendwelchen Firmen, habe ich an meiner Thesis gefeilt. Und das zumeist im Hostel, allerdings nicht in der Bar, weil ich da bestimmt was verzehren müsste und in Zeiten des Taifuns ist es da oben auch nicht so toll. Ich hab mich lieber unten, im Momicafé niedergelassen. Da ist es ruhig und die Kellnerin, die sich den ganzen Tag langweilt, kommt auch nicht dauernd mit der Getränkekarte, sondern ist froh, wenn ich alle paar Tage mal eine Kanne Tee bestelle und die dann immer wieder mit Wasser auffüllen lasse. Und mittags ist die Bude dann mal voll, weil sich dort noch eine Küche befindet, die Personal aus Geschäften der Nachbarschaft bewirtet. Und meistens dann auch mich.
Viel passierte da also nicht, bis Freitag. Da war helle Aufregung angesagt. Ein Mob aufgebrachter Männer, drei an der Zahl, bewaffnet mit Brettern, an deren Enden sich Nägel befanden, lief schreiend hin und her. Der Grund dafür war eine Ratte, die sich in die Küche geschlichen hatte und die der dicke Koch nicht fangen konnte. Der Mob donnerte also mit voller Gewalt die Prügel auf den Boden, verfehlte oft das Ziel, nur manchmal quiekte das arme Geschöpf auf, was mir den Hinweis gab, dass ein Treffer erzielt wurde. Dennoch gelang es der Ratte zunächst, sich unter die Klimaanlage zu verkriechen. Nun wurde auf diese eingehämmert, um mit dem entstehenden Krach das Vieh wieder rauszutreiben. Die Ratte unternahm einen letzten Versuch zur Flucht, wurde aber durch einen Schlag, der das Brett zum Bersten brachte, getroffen und konnte nur noch benommen weiterkriechen. Seines Prügels beraubt nutzte der Rattenfänger nun seinen Fuß. Mit einem gezielten Tritt ins Genick, dem ein einzelnes entsetzliches Quieken folgte, machte er der Ratte endgültig den Gar aus. Anschließend nutzte man das Endstück des zerbrochenen Schlägers, um mithilfe der Nägel den Rattenleichnam, der leicht deformiert aussah und dessen Körperhaltung selbst für eine Ratte nicht mehr gesund aussah, stolz an den Gästen vorbei in einen Raum zu transportieren, hinter dem sich für gutgläubige Menschen ein Mülleimer befindet. Ich sollte nicht erfahren, was wirklich darin passierte.
In Shanghai passierte also nicht mehr viel Spektakuläres. Ich wurde noch aufgeklärt, was es mit den ominösen Club-Freunden auf sich hat, die einem das Geld aus der Tasche ziehen; und zwar ist es jetzt Gang und Gebe, dass sich Leute dadurch ihr Geld verdienen, dass sie Kontakte zu Leuten aus einem Club haben und somit günstiger an die ziemlich teuren Getränke kommen. Diese organisieren dann alle paar Tage einen Abend, zu dem sie Leute aus der Party-Szene einladen, die dann einen festen Betrag zahlen, für den sie alleine kein Getränk bekämen. Sie kaufen dann jedoch nur von einem kleinen Teil des Gesamtbetrags Getränke, der Rest geht in die eigene Tasche und dient als Haupt- oder Nebeneinnahmequelle. Zahlen müssen nur die Männer, die Frauen kommen umsonst durch, sind dafür hübsch anzuschauen und ggf. zu mehr bereit. Emanzipation ist also noch nicht so.
Samstag und Sonntag waren wir in Hangzhou, da war ich letztes Jahr schon. Da gab’s dann auch mal wieder eine Bar nach meinem Geschmack: Kauf sechs Bier zu je zwei Euro und krieg sechs Bier geschenkt. Endlich wieder Bier und nicht nur viel grünem Eistee mit wenig Whisky, wenngleich das Bier seines Namens auch nicht so würdig war. Kopf machte es allemal.
Montag wollten wir nach Chongqing fliegen und zwar um 21h05 Ortszeit. Also eine Zeit, zu der man es eigentlich locker schaffen sollte. Zwar fuhr die U-Bahn über eine Stunde dahin, dennoch war noch über eine Stunde Zeit bis Abflug, also mindestens eine halbe, um vom Terminal 2-Eingang zum Schalter zu kommen. Dieser befand sich zwar am Ende des Terminals, aber in fünf Minuten wäre auch dieser erreicht. Auf dem Weg dorthin passierten wir die große Anzeige mit den Abflugzeiten. Ich kontrollierte kurz: 21h05 Uhr, China Southern Airlines nach Chongqing… passt, bis auf die Anzeige, dass Check-In in T1 sei. Flugnummer wirkte zwar etwas komisch, aber da es der einzige China Southern Flug um diese Zeit nach Chongqing war sollte das wohl passen. Aber jetzt könnte es schon kritischer werden mit der Zeit, also schnappte ich einen Gepäckwagen, verlagerte darauf beide Koffer plus die vier Handgepäckstücke plus Mini und rüber ging es im Eiltempo zu Terminal 1. Dort mussten wir auch wieder bis zum anderen Ende, am Schalter C, wie uns die elektrische Anzeige versicherte, sollten China Southern Kunden bedient werden. Aber an Schalter C wusste man nichts von China Southern. Erst nach Telefonaten merkte man, dass die Airline sich tatsächlich in den Flug mit eingekauft hatte, das aber nicht unser Flug sei, wir sollten bitte wieder rübergehen. Wir nahmen lieber den Bus, der auf unseren Wunsch auch sofort losfuhr. Am Schalter L in T2 angekommen wurde uns gesagt, dass das Boarding schon fast abgeschlossen sei, für uns gäbe es also keine Möglichkeit mehr. Ich kontrollierte nochmal die große Anzeige und da war tatsächlich kein anderer Flug angezeigt, als der von T1. Ich hätte ja mal fragen können, war die Antwort. Ja, hätte ich. Aber ich gebe mir trotzdem nur halb die Schuld.
Wir nahmen dann ein Hotel und hatten Glück, dass wir nach Mitternacht ein zweites Mal ins Internet gingen, denn plötzlich waren die Flüge für den Dienstag deutlich günstiger als zuvor und so mussten wir nicht wieder mit all unserem Gepäck in die Stadt fahren, um ein Zugticket zu kaufen, mit dem wir dann 40 Stunden unterwegs wären.
Am Dienstag waren wir dann noch pünktlicher am Flughafen und auch dieses Mal fehlte unsere Flugnummer auf der großen Anzeige. Nun gebe ich mir sogar noch weniger die Schuld für das gestrige Verpassen des Flugs, stattdessen setzte ich im Flugzeug sogleich eine Beschwerdemail an die Airline sowie den Flughafen auf. Mal schauen, was dabei rausspringt.
Die ollen Holzköpfe!

Mittwoch, 8. September 2010

China #2.11 Expo

Liebes Deutschland,
Eine schöne Balancity habt ihr dahin gestellt auf der Expo in Shanghai. Ich durfte sie auch von außen bewundern. Mit einer Freunde besuchte ich letzte Woche eben diese Expo, kauften ein Abend-Ticket, das von 17 bis 24 Uhr Gültigkeit besitzt und klapperten erst einige kleine Pavillons ab, bevor es in die schöne Balancity gehen sollte. Mit meinem deutschen Reisepass sollten die Schlangen an Menschen davor ja kein Hindernis darstellen. Als wir am Abend gegen halb neun ankamen, wurden wir leider bitter enttäuscht, aus einem kleinen, schlechtbeleuchteten Büro am VIP-Eingang (kaum zu glauben, dass ich einmal mit großen Erwartungen an einem solchen anklopfen würde) wurde mir nur gesagt, dass man schon geschlossen hätte, seit eineinhalb Stunden. Weil man dann auch die Schlange abschließt und so. Blöde Erklärung. Warum hat dann bitte die Expo so lange geöffnet, wenn die beliebten Pavillons schon früher schließen?
Aber gut, das akzeptierten wir also einfach mal und fanden das Restaurant nebenan. Deutsche Spezialität wurden angepriesen, die Kellnerschaft war Deutsch, also wollte ich meiner Freundin doch mal zeigen, wie das in Deutschland zugeht, was wir essen, wie die Service-Kräfte mit dem Kunden umgehen (nämlich sehr gut und zuvorkommend, wenn auch oft nur in der Theorie) und so weiter. Ich habe regelrecht davon geschwärmt, wie gegenseitiger Respekt zwischen Gast und Personal herrscht, nicht wie in China, wo man die Kellnerin herbeischreit und diese dann ehrfurchtsvoll, wenngleich mit einiger Gleichgültigkeit, das Essen auf den Tisch knallt.
Ich wurde bitter enttäuscht und war beschämt. Es fing damit an, dass ich nicht viel Zeit hatte, die Speisen auszuwählen, ich sollte Platz nehmen und bitte schnell bestellen, wär ja auch irgendwann Feierabend. Die angebotenen Gerichte hörten sich alle gut und typisch Deutsch an, die Preise waren es ebenso (also für Chinesen und auch Studenten wie mich recht hoch). Ich bestellte eine Spezialitäten-Platte, vier Fleischsorten waren drauf, sollte reichen für zwei, die nicht viel Energie in der Balancity verschwendet haben konnten und unter denen sich eine zierliche Chinesin befand, die mit unter 1,65 m und weniger als 48 kg nicht zu den größten Esserinnen zählt. Folglich fragte ich nach einem kleinen Zusatzteller. „Nein, kann ich leider nicht anbieten, unsere Chefin sieht das nicht so gerne“, erwiderte der Kellner. Ich war auch gewillt, ihm abzukaufen, dass ihm die Hände gebunden waren. Fünf Minuten später bekam ich meine Mahlzeit. Wurde bestimmt frisch zubereitet.
Bestimmt nicht. Ich glaube nicht mal, dass es frisch für mich auf dem Teller zusammengestellt wurde. Dazu fehlte es eindeutig an Hitze in Fleisch und Sauerkraut und auch die Bratwurst hatte ihre besten Zeiten, in denen sie noch knackig frisch war, hinter sich, nun war sie leicht verschrumpelt und recht trocken. Wenn ich eh nur Reste bekommen sollte, hätte man mir auch den Gefallen des gewünschten Tellers erfüllen können.
Mitten im Essen, dem ich zugestehen muss, dass es lecker gewesen sein muss, sofern heiß und frisch, wurde ich dann jäh unterbrochen. Von der anderen Seite wurde mir die Rechnung auf einem kleinen Tablett überreicht. Über den Preis müssen wir ja nicht reden, mir war ja schon vorher klar gewesen, dass es sich um eine Summe handeln würde, von der mir in China ein Zehntel locker reichen würde, um satt zu werden von einer heißen Speise. Ich guckte kurz auf das Blatt und aß weiter, bemerkte aber aus dem Augenwinkel, dass die Kellnerin nicht wich. Ich hob kurz den Kopf und fragte ironisch: „Jetzt? Während des Essens?“ Ihr Nicken beschwur in mir weitere Wut und Scham herauf. Sollte ich das Essen also noch kälter werden lassen? Und dann auch noch währenddessen die dreckigen Yuan-Scheine aus der Hose kramen? Der gute alte Knigge verlangt doch auch von mir, während die Mahlzeit auf dem Tisch steht, nicht auf die Toilette zu verschwinden. Und auch in China zahlt man entweder vor dem Essen oder anschließend, aber nicht währenddessen.
Also pulte ich das Geld aus den Taschen und knallte es ihr aufs Tablett, schien ja wichtig zu sein. Dann wurde aufgegessen. Und dann wurde gewartet. Zehn Minuten. Ich befürchtete schon, weder Rechnung, noch Wechselgeld zu bekommen. Denn Trinkgeld wollte ich eigentlich keines dalassen nach dieser Leistung, zudem konnte ich jetzt nicht entscheiden, welcher der drei verschiedenen Kellner und Kellnerinnen sich letztendlich am wenigsten schlecht verhalten hatte. Aber es kam dann doch noch, wenngleich weniger gerne, wie die Rechnung zuvor.
Wir konnten also den Platz der Schande verlassen, nicht aber, ohne einen weiteren Tritt ins Fettnäpfchen mitzubekommen. Diesen beging dann die Chefin, zumindest nehme ich an, dass sie es war, trug sie doch als einzige ein rotes Oberteil, als sie mitten im Raum eine Kellnerin im Raum zur Sau machte, weil diese lieber zunächst einen Tisch einrichtete, als Rechnungen zu verteilen. Meine Freundin fragte mich, ob sie das nun richtig verstanden hatte. Denn in China geht so was nicht, das hat etwas mit Gesicht verlieren und bewahren zu tun. Wenn ein Chef unzufrieden ist, wird das hinter verschlossenen Türen besprochen und nicht lautstark vor Kundschaft.
Liebes Deutschland, auch ich bin es, der indirekt von den Einnahmen aus der Touristenbranche profitiert. Und ich bin auch gewillt, im Ausland einen guten Eindruck zu hinterlassen, damit potenzielle Touristen sich für Deutschland interessieren und auch entscheiden. Mit einem solchen Auftritt in einem Land, das über so viele potenzielle Neureiche verfügt, werden meine Bemühungen jedoch bedeutungslos gemacht.
Das finde ich sehr schade und ich bin sehr verärgert darüber. Vielleicht denkt man in Zukunft etwas darüber nach und schickt Service-Kräfte auf solche Veranstaltungen, die sich als solche bezeichnen dürfen und sich ihrer Rolle als Botschafter bewusst sind.
Viel Erfolg dabei!

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China #2.11 Meine letzte Fahrt?

Wednesday, 01 September 2010 07:48 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Sehr geehrte Leserschaft,
man wünsche mir Glück, denn sonst überlebe ich die nächsten Stunden vielleicht nicht. Grund zur Panikmache: Ich befinde mich in einem sogenannten Private Taxi. Das ist ein großer weißer Lieferwagen, in dem die Sitze und Spiegel noch eingeschweißt sind und somit blutabweisend sind. Zudem verfügt die Ladefläche rein theoretisch über genügend Platz für ein paar Leichen. Zu den Gründen, warum ich in diesem Private Taxi sitze, komme ich später.
Samstag bin ich trotz dem harten Geschäftsleben mit dem ausklingenden Abend fit. Nach etwas Thesis fühle ich mich fit für einen Gang vor die Tür und lande zufällig nach viel Fußmarsch in meinem bereits am zweiten Tag angestrebten Fälschermarkt wieder. Es steht nicht viel auf der Liste; ein gelenkiges Kamera-Stativ bekomme ich zu einem Fünftel des zunächst gewollten Preises, iPod-Kopfhörer mit Mikrofon, originale Kopie, gibt es mit drei Euro auch für einen Bruchteil des verlangten Preises. Und da ich sehe, dass man bei ein paar Shorts die Markennamen einfach entfernen kann, gönne ich mir auch sie. Gibt zumindest keinen Stress am Zoll und für einige Waschgänge sind sie gut.
+++ Ich unterbreche kurz: die Mitfahrerin ganz links im Private Taxi bricht gerade aus dem Fenster heraus. Es riecht nach Hundefutter. Die Scheibe ist voll mit vorherigem Mageninhalt. Ihre halbherzigen Versuche, mit einem benutzten Taschentuch die Außenscheibe wieder zu säubern, missraten kläglich. Zum Glück sind die Polster noch eingeschweißt. +++
Auf dem Rückweg durch die Stadt werde ich unverhofft von einigen Damen angemacht. Und zwar nicht nur von einigen in der Gruppe, sondern von einzelnen. Ein „Hello“ rufen sie mir jeweils zu. Und da drei von ihnen auch recht gut anzuschauen sind, erwidere ich es. Wir kommen ins Gespräch. Ganz einfach. Wo ich herkomme, was ich hier mache, warum ich Chinesisch spreche und wo es hingeht. Es kotzt mich mittlerweile an, meine Geschichte zu erzählen, also erfinde ich immer irgendwas. Meistens ist meine Mama Chinesin (Mama muss jetzt aber nicht böse auf mich sein, bitte). Und ich gehe offiziell auch zum Hotel zurück. Schade, gerne hätte man mit mir einem Kaffee getrunken, wird mir unter treuem Hundeblick verklickert. „Nö. Kaffee mag ich nicht, Tschüss!“ sag ich. Schon lange hab ich keinen Korb mehr verteilt. Und heute gleich drei am Stück. Ich fühle mich toll und gleichzeitig schlecht.
+++ Kotze ist an der Scheibe getrocknet. Dauernd brüllt der Freund der Brecherin, der Fahrer möge bitte nicht so schnell fahren. Manchmal brüllt er auch die Freundin an, was sie denn jetzt wolle und wie es ihr geht. Nerviger Banause, wenn sie kotzt, ist sie doch artig und ruhig und Entertainment ist es auch neben der Schnulzen-CD, die der Fahrer auflegt. +++
Abends lande ich mit Mini im Angelinas. Das ist mal ein Club. Irgendwo im Nobelviertel siebter Stock. Man sitzt auf Renaissance-Flair-Sofas, die Lichtanlage ist in Kronleuchter verpackt. Ist wieder so ne Freundes-Freunde-Freunde-Party, in der Feier-Menschen aus Shanghai über Beziehungen sich im Internet zur gemeinsamen Party verabreden. Als Mann muss man natürlich blechen, die Emanzipation ist noch nicht so weit fortgeschritten. Für mich als Exil-Schwabe ist die heutige Summe schon sehr grenzwertig, weiß nicht, wie Chinesen in meinem Alter das scheinbar oft stemmen können. Aber es lohnt sich, Getränke gehen nicht aus, Stimmung ist da, Shows werden geboten und das beste ist das Klo: Die Kabinen befinden sich hinter Spiegeltüren, die man kaum wahrnimmt und am Ende des Ganges geht’s in den Pissoir-Raum. Dieser ist ebenfalls mit Spiegeln ausgestattet, so dass jeder jeden sehen kann. Männer wissen, wie schwer es dann manchmal fällt, das kleine Geschäft zu erledigen, wenn man sich beobachtet fühlt. Es dauert aber noch viel länger, wenn kurz nach Öffnung des Hosenstalls ein Herr kommt, um dich zu massieren. Es dauert eine Weile, bis ich kann und dann kann ich sehr lange, da ich ja eine Männer-Pferde-Blase besitze. Die Massage ist sehr gut. Am Waschbecken angekommen stammelt eben gekonnter Masseur dann aber unterwürfig was von „Danke! Danke!“ und zeigt auf das Tablett. Auf diesem sind eine 100 und eine 50 RMB-Banknote aufgeklebt. Die zwei höchsten Banknoten in China. Ein Zeichen dafür, dass der Klomann sich mit keinem kleineren Trinkgeld zufrieden gibt.
+++ Der Typ neben mir schreit schon wieder. Ob wir nicht langsamer über das Schlagloch sausen könnten, das auch meinen PC in die Luft katapultierte. Konnten wir gerade nicht. Wir mussten nämlich dem plötzlich wendenden Tuk-Tuk-Fahrer genauso ausweichen, wie dem suizidgefährdeten Hundewelpen. Ich hoffe, diese Aktion treibt den Magen seiner Freundin nochmals zu Höchstleistungen an. Ich lebe noch. +++
Ich vertröste ihn mit den Worten, dass meine Freunde mein Geld gerade schon anderweitig investiert haben, aber ich komme wieder, verspreche ich. Ich komme nicht wieder. Meine Notdurft wird jetzt gefälligst in der Einzelkabine hinter verspiegelten Türen stattfinden. Im Angelinas bleiben wir noch recht lange, auch, weil es zu jedem neu gelieferten Getränk Hüte als Geschenk gibt. Und ich liebe Hüte.
Sonntag wird verpennt. Nach Thesis geht’s in die Nanjing East Road. Wie die letzten Tage auch schon. Aus Langeweile und weil man hier viel Spaß haben kann. „WatchBagDivi….“rufen die einen mir zu, „diShoesLakoschtiPhoneCrackMartihuanaHaschLadymassageLadysex…“ führe ich fort und man ist von mir begeistert. Dennoch ignoriere ich die Herren fortan, wenn ich nicht sage, dass ich letztes bereits gerade hatte. Auf einmal ertönt eine liebliche Stimme mit den gleichen Worten und aus den Augenwinkeln entdecke ich die wohlgeformte Schönheit. Sie ist die erste, bei der ich einwillige, zumindest zu gucken.
+++ Chinas neue Straßen sind nicht alle von Profis gebaut. Gerade haben wir auf hundert Metern acht Gullideckel mitgenommen. Wär in Deutschland nicht das Problem, aber hier sind sie erhaben. Ca. 10 cm über Normalstraße. Gibt Mordsgeruckel. Brecherin ist gerade irgendwo ausgestiegen, ihr nervtötender Freund ebenso. Mit einem weinenden und einem lächelnden Auge veranlasse ich, weiterzufahren. +++
Nur gucken, nicht kaufen. Auch sie scheint von meinem Antlitz und meiner Statur angetan zu sein, denn ihr ist es scheinbar egal. Nun geht es mit ihr in Seitenstraßen der Nanjing Road, Shanghais großer Einkaufsstraße und hinter scheinbar kleinen Läden befinden sich mit dem richtigen Klopfzeichen richtige Designerkessel. Ich kaufe nichts, obwohl das iPhone mittlerweile Fortschritte macht und nicht mehr mit analoger Antenne zum Ausfahren verkauft wird. Nachdem sie mir WatchBagDVDsShoesLakoschtiPhone und so weiter gezeigt hat, hoffe ich, dass sie die Drogen überspringt und zur Ladymassage kommt. Ist mir nämlich glatt entfallen, dass ich hier noch gar keine Massage hatte, bis auf die aufm Kopf beim Frisör. Und die gestrige aufm Klo. Es kommt aber nicht mehr dazu. Stattdessen bekomm ich ihre Karte und soll mich melden, wenn ich was brauche. Ich verspreche es ihr.
Im Hostel will ich früh schlafen. Morgen geht die Arbeiterwelt wieder los. Um sieben Uhr in der Früh ist Abfahrt nach Changzhou. Leider ab dem anderen Ende der Stadt. Mein Wecker ist auf halb sechs gestellt. Um halb zwei des Nachts liege ich dann auch endlich. Den Blick auf die Uhr gerichtet. Aber die Zeit zum Schlafen wird nicht länger. Ich frage mich, ob jeder normale Mensch noch fröhlich leben kann, wenn er fünfmal die Woche so früh raus müsste. Ich verdrücke Tränen. Vier Stunden Schlaf. Nur. So viel braucht mindestens mein dicker Hintern, um sich von den Strapazen des Tages zu erholen und neue Energie zu schöpfen.
Dennoch packe ich es. Es dauert zwar etwas, zu einer Zeit, in der es in Deutschland noch vor Mitternacht ist, sich auf den neuen Tag vorzubereiten und die Sachen zu packen, dennoch komm ich nur zwei Minuten zu spät, was natürlich an der Bahn liegt. Der Tag im Büro verläuft gut, bis uns um halb vier der Strom genommen wird. Feierabend. Und das bedeutet Bierchen. Und vielleicht noch eins. Und weil es ja so früh ist, könnte ich dann noch nach Shanghai zurückfahren, ist ja noch früh.
+++ Wir halten in der Pampa, um noch eine mitzunehmen. Der Fahrer wird zur Sau gemacht, weil er die Brecherin für zu wenig Geld rausgelassen hat. Wird jetzt gestreikt? +++
Ich lasse mir in der Bar ein Taxi zum Bahnhof rufen. Vorbei kommt ein Freund der Kellnerin. Ich willige widerwillig ein (kann man das?). Angekommen wird mir zunächst gesagt, es gäbe keine Bahnen mehr. Kann nicht sein. Sowohl Kellnerin als auch Freund sagen mir, es würden halbstündig Bahnen fahren. Die Frau am Ticketschalter ist auch müde und nicht gewillt, mir mehr Auskunft zu geben, bis mich ein Passant darauf hinweist, dass ich auch zum Nordterminal gehen könnte. Da stehe ich Schlange und dann heißt es, um zwei Uhr fünfzehn sei noch was frei. Noch viereinhalb Stunden. Ich will warten, mir ein Bier gönnen, da werde ich angesprochen, ob ich nicht mit nach Shanghai wolle. Na gut. Für den kleinen Aufpreis könnte ich mir jetzt genügend Bier für die Wartezeit auf den Zug gönnen, um mich volllaufen zu lassen. Ich willige ein. Nun sitze ich hier. Hinten rechts in der Reihe. Neben mir mittlerweile zwei neue Deerns. Sie werden wohl nicht mehr brechen. Aber wer weiß…
Trinken ist auf dieser Fahrt ein Abenteuer. Ich setze gerade zum Schlucken an, als es durch ein Schlagloch geht. Runter rauf zack zack. Der ganze Schluck landet in der Luftröhre. Schmerzt sehr. Ich breche fast.
Nach einer Stunde Schlaf wache ich dann mal auf. Noch immer 48 km. Will der mich verarschen? Als ich die Augen zugemacht hab, waren es doch nur noch 120 km. Dann kurz Seitenstraße. Anhalten. Aussteigen, lautet die Devise für mich und die anderen zwei Männer. Und einmal bitte die Straße zu Fuß lang laufen, wir würden am anderen Ende wieder eingesammelt werden. Weiß nicht, was überwiegt. Die Freude, mal endlich von der Stretchfolie der Sitze wegzukommen und den Schweiß ums Gesäß kühlen zu lassen oder die Angst, mitten in einem unbekannten Dorf ausgesetzt zu werden?
Am Ende der Straße ist Polizeikontrolle. Hätte ich jetzt auch keinen Bock drauf. War also gut, dass wir rausgelassen wurden. Zwanzig Meter hinter der Kontrolle steigen wir wieder zu. Der Motor startet erst beim fünften Mal anlassen. Lieber nochmal Öl nachfüllen und für 20 Yuan tanken. Dann geht’s weiter.
Geht dieser Post online, ist es ein Zeichen meiner Lebendigkeit. Mama, die du keine Chinesin bist, du musst dich nicht mehr sorgen!

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China #2.10 Von J, Spaniern, einer Klugscheißerin und anderen Wesen.

Sunday, 29 August 2010 20:33 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Nach meinen Magenproblemen bis Sonntag hatte ich genau zwei Tage nichts. In der Zeit widmete ich mich dann intensiv meiner Thesis, muss ja Zeit aufholen. Mittwoch dann erwache ich schon mit so einem leichten Kratzen im Hals. Ist ja normal, im Sommer. Dennoch traf ich mich abends mit J, oder auch Jisol, wie ich erfuhr, der Koreanerin, die das letzte halbe Jahr mit uns in China an der Uni gelebt hatte. Machte hier Praktikum und so. Bisschen essen, bisschen trinken, dann noch Club mit weiteren koreanischen Freunden, schöner Abend, aber ich musste früher los, für Donnerstag stand ne Reise nach Hangzhou zu einer Firma auf dem Programm.
Wurde nix draus. Ich erwache zwar pünktlich, aber absolut nicht frisch. Das Kratzen hat sich in Halsschmerzen gewandelt, dazu ist die Nase dicht. Kommt davon, wenn die Mitbewohner die Klimaanlage auf 16 Grad runterdrehen und ich zu faul bin, die Fernbedienung zu suchen und mich lieber mit kalten Füßen abgebe. Dennoch ging’s vorerst in Schale geschmissen runter zur Rezeption, ich wollte für die letzten beiden Tage bezahlen. Geld wurde auch angenommen, allerdings forderte man zudem mein Handtuch, das als Decke gilt und meine Schlüssel ein. Ich wollte schließlich heute auschecken. Wollte ich aber nicht. Zwar war die erste Reservierung bis heute begrenzt, da man im Internet nur 10 Tage buchen kann, aber ich hatte extra zweimal nachgefragt, wie es ist, wenn ich länger bleiben will. Da hieß es stets, einfach bleiben, es sei registriert. Nun war der Salat groß. Dann müsste ich bitte warten, man würde es irgendwie regeln, wenn ich aber viel zu packen hätte, sollte ich das tun, bitte. Hab ich nicht gemacht. Hab mich lieber in die Lobby gesetzt und das Internet durchforstet und versucht, meinen Schnupfen wegzutrinken.
Es dauerte knapp zwei Stunden, bis man mir sagte, dass ich wohl bleiben könnte. Das war mir auch vorher klar, eigentlich. Dann rief ich in der Firma in Hangzhou an. Schließlich würde es knapp drei weitere Stunden dauern, bis ich da wär. Würde sich nicht lohnen, wurde mir gesagt. Sollte lieber nächste Woche für zwei Tage kommen.
Stattdessen war ich dann bei Minie, hab ein Bad genommen, soll bei Erkältungen ja helfen. Und abends traf ich die beste Entscheidung, seit ich hier bin: Ich legte mich früh, genau gesagt um neun Uhr abends ins Bettchen.
Freitag stand ich wieder früh auf. Es sollte nach Changzhou gehen, nur ne halbe Stunde von hier mit Zug entfernt. Gehe wieder im feinsten Zwirn nach unten und checkte zum Glück nochmals meine Mails. Treffen wird leider nichts. Chef hatte Unfall. Heute viel Polizei-Kram zu erledigen und so. Stand da. Na super, abemals ein Tag ohne neue Informationen für die Thesis, dachte ich. Ich blieb noch etwas. Hatte keinen Bock, mich wieder umzuziehen. Da kam dann ne neue Mail rein: Vielen Dank für Ihre Anfrage, würde natürlich gerne mit Ihnen über das Thema fachsimpeln. Sagen Sie mir, wann Sie Zeit haben und ich hole Sie ab. Stand da. Ich antwortete: Jetzt. Kein Problem, aber so kurzfristig sollte ich vielleicht doch ein Taxi nehmen. Kurz auf die Karte geguckt. Bin ich denn bekloppt? So weit? Das würde mich doch ein Vermögen kosten! Ich fuhr mit der U-Bahn. Von da wurde ich dann aber abgeholt.
Die Firma ist ein Druckmaschinenhersteller für Kleidungsetiketten. Stellt auch Maschinen her, die bequem in jede größere Handtasche passen und somit ideal für den Fälschermarkt sind. Die Druckqualität ist eingeschränkt, aber man erwartet ja auch nicht viel bei Kleidungsetiketten. Demnach läuft die Firma wohl sehr gut, exportiert viele Maschinen.
Ich sah trotzdem schnell ein, dass ich hier eigentlich nicht so viel lernen würde, hab trotzdem das Beste draus gemacht. Saß mit fünf Damen und Herren am Tisch bei 15 Grad, Klimaanlagenwindstärke 12 oder so und sprach über den Markt, die Probleme, von denen ich dachte, es gäbe sie nicht mehr und trank feinsten Tee und Import-Instant-Kaffee aus Vietnam. Gesprächsthemen gab es viele und beim kurzen Blick auf die Uhr viel uns auf: So, Feierabend. Bierchen? Jo. Und Essen. Ich liebe chinesische Geschäftsessen. Wenn ich mal groß bin, will ich das so oft wie möglich machen. Da wird ein Tisch aufgefahren, sondergleichen. Dazu darf man sich als Gast vorher den Tintenfisch aussuchen, der anschließend tot und kleingehackt wird, dazu gibt es Bier und die Kellnerinnen werden angemacht und ausgefragt, wie sie mich, den Ausländer denn wohl fänden. Also durchaus amüsant und lecker.
Anschließend werden wir im Luxusschlitten, also dem einer einheimischen Marke, in die Stadt gefahren. Chef hatte an derselben Uni Abschluss gemacht, an der wir letztes Jahr waren. So was verbindet. Er war durchaus gewillt, noch den einen oder anderen Humpen Bier mit mir zu heben. Aber da es zu früh war, ging’s erst mal zu ihm heim. An der Tür erwartete mich schon eine Tafel mit der Aufschrift „Herzlich Willkommen in meinem Heim!“. Die zehnjährige Tochter hat das mal schnell im Google Translater nachgeschaut und abgeschrieben. Das mag nach keiner großen Leistung klingen, ist es aber, wenn man bedenkt, dass man in China nicht mal englische Wörter richtig abschreiben kann, da man ‚i‘ und ‚l‘ nicht auseinander halten kann.
Aber die Tochter ist wohl ein sehr begabtes Kind. Oder sagen wir mal, ein erzogenes, gedrilltes Kind. Ihr Englisch ist absolut akzent- und fehlerfrei und das bei recht anspruchsvollen Gesprächsthemen. Seit sie fünf ist würde sie Englisch lernen. Selbst für fünf Jahre ist das verdammt gut, der Vater erzählt mir aber, dass sie doch erst mit sieben angefangen hätte. Umso beeindruckender. Sie hätte auch nur drei Tage Ferien. Im Jahr. Und jetzt jede Woche einen Englisch-Test. Zwischendurch stopfte sie mich immer mit Essen voll. Dann setzte sie sich ans Klavier und spielte irgendwas. Ich bin jetzt kein Musikkenner, aber ich würde sagen, der junge Beethoven hätte sich da bestimmt ne Scheibe abschneiden können.
Nun, erst als sie mir dann irgendeine total wirre Konstruktion aus Stühlen und Bällen zeigte, auf die sie sehr stolz war und was ein Auto darstellen sollte, war ich beruhigt, dass sie doch nur ein zehnjähriges Kind ist. Ein Kind ohne große Kindheit. Fiel ihr auch auf. Sie müsse jetzt kurz konzentriert mit ihren Puppen spielen, sagte sie mir, denn sie hätte ja nicht viel Zeit dafür. Armes, kluges Mädchen.
Dann ging’s durch die Bars. Chef und ich. Und ich hatte gar keine Wahl. Ich musste mich dem Gesetz fügen. Dem ungeschriebenen Gesetz, das da besagt, wenn Arbeiter auf Student trifft, zahlt stets der Geldverdienende. Und natürlich sollte ich trinken, was will. Aber mir reicht ja Bier. Nur Bier. Aber das kostet in Shanghai jetzt auch mal schnell seine 65 Yuan. Dass Chef die hat, machte er mir klar, als er sein Glas nach drei Schlucken fast voll zurückließ, weil ich etwas schneller mit trinken war und er in einen anderen Laden gehen wollte.
Um halb vier kam ich dann wieder im Hostel an. Allerdings ohne meine Magnetkarte, die als Schlüssel dient. Verloren oder geklaut. War mir egal. Mir wurde auch so das Zimmer geöffnet. Da schliefen schon alle Spanier. Alle halb nackt und ob der Hitze stöhnend. Bei geöffneten Fenstern und ausgeschalteter Klimaanlage kein Wunder. Dazu stank es nicht gerade angenehm. Den Grund dafür fand ich in einem Flies-Handtuch, das wohl irgendeiner der Kumpanen mal verschwitzt und nass in seinem Gepäck hinterlassen haben musste und nun die irrwitzige Idee hatte, es auszulüften, was aber überhaupt nichts brachte, da der Geruch eher Zellteilung beging, anstatt abzuziehen. Die Fernbedienung für die Klimaanlage fand ich auch nicht mehr. Hat bestimmt einer drauf gepennt.
Na herrlich. So ein heißer, stickiger Raum ist natürlich genau das richtige für einen Biergetränkten Körper. Ich gratulierte mir noch kurz zu dieser Selbstzerstörung und schlief ein.
Jetzt sitze ich hier auf dem Bett und weiß mit mir nicht mehr viel anzufangen. Die Spanier sind ausgezogen und haben zum Glück das Handtuch mitgenommen und die Fernbedienung für die Klima zurück auf den Tisch gelegt. Davor haben sie aber so lange zum Packen gebraucht, als würden sie ihren Hausrat auflösen. Und gelabert haben sie dabei ohne Unterlass. Und das mit ihren quakenden Spanierstimmen.
Naja, immerhin habe ich über die Nacht meine Erkältung fast gänzlich ausgeschwitzt.

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