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Mirko

Mirko

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#005: 20.02 – 24.02: „Sonderlich viel steht ja auch nicht an.“

Saturday, 26 February 2011 20:10 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Sonderlich viel steht momentan nicht an. Zumindest nichts großartiges. Und dennoch finde ich mich viel öfter an irgendeinem Geldautomaten wieder, als ich mir eigentlich erhofft hatte. Ich versöhne mich, wie schon damals einst, mit dem Gedanken, dass ich ja keine Miete zahle und kann mich auch wahrlich damit beruhigen, dass meine bisherigen Ausgaben in den letzten zwei Wochen die Monatsmiete eines Stuttgarter Wohnheimszimmers nur knapp bis kaum bis mäßig bis so mittel übersteigen, ich also noch volle Pulle im Soll bin. Und der Monat ist ja auch bald rum.
Aber woran liegt das? Nun, es sind die kleinen Dinge, die sich anhäufen. Essen ist ja ach so billig und die Getränke auf der Straße auch. Und der Fake-Market bietet auch so viel, man handelt, weil man's kann und schwupps hat man den ein oder anderen Pullover und viel Kamera-Gedöhns und dies und das mehr in der Tasche, obwohl man doch weiß, dass man bald weiter nach Xi'an fliegt und der Koffer bereits bei Ankunft in Shanghai Übergepäck aufwies und nur geringfügig leichter wurde durch die mitgebrachte Salami für Max.
Nun, und so vergehen hier die Tage. Der Sonntag mit günstigem Fake-Markt für Klamotten und Kamera-Zeugs, der Montag mit günstiger Burger-Night im World Financial Center (Flaschenöffner), wo es zwei mittelteure (gute) Burger zum Preis von einem gibt, genauso wie Biers (also geschenkt, quasi), der Dienstag mit der Abholung der maßgeschneiderten Hemden inklusive Restbezahlung, der Mittwoch mit abermals einem Fake-Markt und gutem Messer (einfach, weil's Stil hat, ein ultrascharfes Messer zu besitzen – die Gefahr stets in der Nähe) und der Donnerstag... Tja, der Donnerstag verläuft bisher sehr günstig. Aber wir werden bestimmt noch eine großartige Kostenquelle finden, und wenn es nur das GoGo China von gegenüber ist. Da wird man nämlich geliebt und zwar so richtig. Wann immer wir abends da vorbeilaufen, es reicht nur der Anblick unserer grandiosen Körper aus und schon öffnen sich die Türen, kreischende Frauen laufen heraus und brüllen in 1,5 Sekunden den Satz "Hello handsome Boy! Come in buy one get one free!".
Aber auch wir werden knauserig, weshalb wir den Schuppen noch nicht besucht haben. Denn nebenan gibt es einen Family-Mart und da gibt es dieses "one" ausgeprägter, nämlich "buy one get 11 free". Natürlich bezieht es sich auf Biers, ich bekomme schon beinahe ein schlechtes Gewissen, dass dieses Wort in einer Großzahl meiner Beiträge vorkommt. Aber es schmeckt ja auch gut, so ein Bier.
Knauserig bin ich auch tagsüber, wenn ich mich in meinem Office, dem Starbucks breit mache und des Gewissens wegen mir etwas zu trinken bestelle. Da verzichte ich gerne auf Kaffee, sondern beziehe den verhältnismäßig günstigen chinesischen Tee. Denn dieser hat eine Refill-Option und so nutze ich einen Teebeutel auch fünf mal aus, um abermals mein Gewissen zu beruhigen. Denn von der Theorie her habe ich dann pro Becher nur 4 RMB bezahlt.
Eine Delikatessenschnäpchen der Extraklasse machen wir am Mittwoch beim Fotografieren des Bunds, als vier Leichtmatrosen von der Marine uns mit einem Kasten des wohl weltbesten Bieres entgegenkommen. Leider ist es nur ein Kasten von Haake Beck, aber das darin gelagerte Beck's, zu dem wir eingeladen werden mundet auch gleich noch besser als die Qingdaos oder Suntorys hier. Ekelhaftes Carlsberg bekommen wir im Übrigen am Sonntag in der Windows-Bar. Die Flasche ist schon ein halbes Jahr alt und garantiert in China genauso gut kühl gelagert, wie das Fleisch auf dem Markt. Die Beschwerden versteht man nicht, schließlich steht am Flaschenhals, dass es neun Monate haltbar sei, man gibt unserem Aufstand aber nach und tauscht die Getränke um.
A propos Aufstand: So etwas gibt es hier in China nicht. Eine erneute Jasmin-Revolution muss eine Hetzkampagne der westlichen Medien sein, sonst hätte man hier im TV ja irgendwas mitbekommen. Gut, die öffentlichen Plätze sind mit Polizisten und Schäferhunden deutlich stärker bewacht, aber das hat selbstredend nichts zu bedeuten. Ich schwör! Und überhaupt, sollte man hier nicht froh sein, dass die Hunde ausgeführt werden und was sehen von der Welt, bevor sie im Kochtopf landen?

Und hier der Metro-Tipp des heutigen Beitrags:
Ein handelsüblicher Fisch lässt sich locker ohne viel Schnitzerei ausnehmen. So muss man nicht mehr den ganzen Bauch aufschnibbeln, sondern es reichen locker zwei kleine Schnitze hinter den Kiemen und vor dem After. Sind diese gemacht, spielt man etwas am Mund des Fisches rum, bis dieser offen steht und einen blöd anguckt. Zwei Essstäbchen werden daraufhin an beiden Seiten des Mundes hineingeschoben in einer imaginären geraden Linie hin zum After. Beide Stäbchen werden dann fest zusammengedrückt und ein paar Mal im Mund gedreht. Presst man anschließend weiterhin beide Stäbchen fest zusammen und zieht sie heraus, hat man den ganzen Schmodder an Gedärmen dazwischen klemmen.
Jetzt noch den Mund und den Bauch fein mit Wasser ausspühlen, sodass es aussieht, als würde der Fisch Blut kotzen.
Was das Ganze bringt, weiß ich jetzt auch nicht. Aber zumindest muss man keinen Kaiserschnitt machen. Vielleicht kann man den Fisch so besser ausstopfen!
 

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#004: 17.02 – 19.02: „Haushaltstipps presented by Metro“

Sunday, 20 February 2011 15:19 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Ich bin in letzter Zeit oft Metro gefahren und immer wieder war es ein Erlebnis. Das liegt nicht am Gedrängel der Massen oder an einer zu ruppigen Fahrweise, sondern am Unterhaltungsprogramm der Bahn. Denn neben belanglosen Dingen wie den Nachrichten präsentiert die Metro viele Haushaltstipps, die einem das Leben in jederlei Hinsicht erleichtern. Bisher habe ich zwei gesehen und bin ganz baff davon, sodass ich sie mit euch teilen möchte.
Tipp #1: Man nehme eine Eiswürfelzange und einen grobporigen, großen Schwamm. Mithilfe eines Messers teilt man diesen Schwamm nun und schneidet zwei kleine, aber tiefe Schnitze in den Schwamm. Diese Schnitze müssen dünner sein als die Eiswürfelzange breit ist. Nun propelt man diese in die Schnitze der beiden Schwammhälften. Was haben wir? Ein ganz hautschonendes Reinigungssystem für dreckige und stark verkrustete Gläser! Nachweislich ließ sich damit ein Glas mit harten Sirupresten (die mit einem Löffel nicht mehr wegzukratzen waren, so stark war das eingetrocknet) reinigen und des Problems Lösung war verblüffend einfach; Man nehme einen Schuss klaren Wassers, schütte dies in das Glas und geht mit der einen Zangenhälfte in das Glas, die andere bleibt draußen. In nur 47 Umdrehungen des Glases hat man dann den Schmutz entfernt und kann endlich wieder etwas trinken.
Tipp #2: Eine alte Zeitschrift kann ganz schnell ein Karten-Ständer werden. Dazu rollt man diese Zeitschrift fest zusammen und fixiert sie mit einem Band. Da die Seiten der Zeitschrift nun an der Außenseite optimalerweise alle leicht aufgefächert sind, lassen sich problemlos Visitenkarten und weiteres reinstecken. Optimal für zuhause und das Büro.
Nächste Woche werde ich mich ggf einen ganzen Tag lang in eine Linie setzen, die im Kreis fährt und jegliche Haushaltstipps dokumentieren. Da sind die 4 RMB mal richtig gut angelegt!
Was mache ich sonst, wenn ich nicht gerade in der Metro sitze? Wow, Donnerstag bin ich tatsächlich mal in einem gesunden Rhythmus. Um halb sieben treibt es mich aus dem Bett und verfasse früh den Plan, die anderen zur Arbeit zu begleiten, um mir dort im Starbucks mein Büro einzurichten. Dann bekomm ich auch gleich ein Frühstück. Und es wird noch viel besser: Beim Bestellen des Kaffees bekomme ich statt des Satzes "Darf's sonst noch was sein?" folgenden zu hören: "You look like a superstar... so handsome!" Der Tag ist schon jetzt gerettet. Dem Hartzer werden Komplimente gemacht. Und das an seinem ersten Tag. Der Prachtbub hat sowas bestimmt noch nicht zu hören bekommen!
Nach gelungenem selbstständigen Arbeitstag (ich kann es tatsächlich noch) steht abends das Laternenfestival im "alten" Stadtteil Shanghais an. Ich wage zu bezweifeln, dass die Gebäude früher wirklich so ausgesehen haben mit Starbucks, McDonald's und wie sie nicht alle heißen, aber farbenfroh und leuchtend ist das alles und es macht schon was her. Der innere Teil, der YuYuan Garden ist für das Festival extra abgeriegelt und verlangt eine gesunde Eintrittspauschale von 80 RMB pro Nase. Das muss man auch machen, denn die Dichte an Menschen vor den Toren lässt erkennen, dass das ganze Areal andernfalls aus allen Nähten platzen würde. Drinnen ist es dann wirklich ganz schön und bunt und fotografierwürdig, allerdings auch trotz der Eintrittstickets deutlich zu voll. Über die gute Zickzackbrücke schwebt man quasi, da der Druck von den nachfolgenden sehr groß ist und es nur in eine Richtung geht.
Mein Rhythmus hatte zwar nun eine gute Grundlage, ich versaue sie aber heute wieder vollends, als ich des Morgens pünklich um 6h00 die Äuglein schließe. Gegen Mittag steht dann mal wieder das Kino an, draußen kann man wegen widerlichen Wetters momentan nicht viel machen und sehen auch nicht. Und dann ist ja auch schon wieder Freitag und es ist Abend. Da ist der Ausgang ja schon obligatorisch. Vorher wird noch malaiisch gegessen, wobei das Essen prima ist, die Stimmung aber eher nicht, da die chinesischen Arbeitskolleginnen es vorziehen, eine große Fresse zu ziehen, in der einen Hand den Kopf abzustützen um in der anderen ein Handyspiel zu zocken. Max versucht es mit versteckter Kritik, als er bei einer Frage nur antwortet, er würde es präferieren, wenn er die Frage als SMS bekäme. Aber mit versteckter Kritik hat man es hier nicht so. Der weitere Abend hingegen verläuft erfolgreich.
Am Samstag steht etwas Tourismus auf dem Programm. Künstlerviertel in der Taikang Lu. Naja, so viel konnte ich da nicht sehen, musste ich doch den Prachtbuben suchen gehen, der nur mal schnell zur Bank will. Der Ausgang war voraussehbar; er findet den Weg natürlich nicht zurück und ich darf ihn suchen gehen. Und natürlich ist der Sündenbock schnell gefunden: Ich. Weil wir ja einfach so etwas weitergegangen sind.
Ist doch Humbug!
Es gibt dann ein versöhnliches Abendessen und wir sehen uns alle um vier Uhr in der Früh wieder, als wir es vorziehen, uns aus den Sesseln und Sofas in Max Appartment zu erheben und doch lieber im Bett weiterschlafen.

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#003: 14.02 – 16.02: „Der Hartzer findet keinen Schlafrhythmus“

Saturday, 19 February 2011 16:51 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Wer den Blog des Prachtbubs verfolgt wird häufiger über die Bezeichnung „Hartzer“ gestolpert sein. Ja, damit bin ich gemeint. Da die ach so beschäftigten Herren Praktikanten täglich ja ach so früh aufstehen müssen um sich dann acht Stunden lang Kaffee reinzuprügeln ist ein gewisser Neid auf mich entstanden. Der Neid, dass ich wenigstens freiwillig nichts tun muss und das mit gutem Gewissen in von mir gewählter Umgebung. Und da ich scheinbar nur rumgammel und nichts tu, man mich ständig in meinem Sessel vorfindet – morgens beim Aufstehen, nachmittags nach Feierabend und nachts beim Zubettgehen – wurde ich Hartzer getauft.
Dass ich aber auch so meine Problemchen habe, das ist den Herren gar nicht bewusst. Ich finde nämlich keinen gesunden Schlafrhythmus. Das Rumgegammel ohne sonderliche Pflichten und Termine lässt mich einfach nicht dazu kommen. Nachdem ich von Freitag auf Samstag 16 Stunden gepennt habe und die folgende Nacht 12, gebe ich mich in der Nacht zum Valentinstag mit einer Schlafenszeit von 03h00 bis 06h30 zufrieden. Die Folgenacht besteht aus den kümmerlichen zwei Stunden zwischen 06h00 und 08h15. Zwei Stunden Mittagsruhe am Dienstag sorgen dann dafür, dass wenigstens die Folgenächte als so etwas wie „normal“ bezeichnet werden können, von 02h00 bis 08h45 und von 23h00 bis 06h30. Ja, der Hartzer hat es tatsächlich geschafft, in dieser Woche stets vor den Herren Praktikanten aufzuwachen. Max freut das sehr, da er dann zärtlich geweckt wird, der Kaffee aufgebrüht wird, das Frühstücksei dampft und so weiter. Also theoretisch. Praktisch ist der Kühlschrank nur mit Gerstenkaltschalen gefüllt. Beschriebene Zustände findet man im Siemensgebäude vor und zwar im Starbucks.
Nun, was stand sonst an? Der Valentinstag durfte natürlich nicht verpasst werden. Also eigentlich halte ich nichts davon. Ich habe da glaube ich ein Kindheitstrauma. Damals, in der vierten Klasse, hatte die Lehrerin uns befohlen, einen Valentinsbrief an eine beliebige Mitschülerin geschrieben. Ich witterte meine Chance und schrieb dem hübschesten Mädel der Klasse. Was für ein Reinfall. Denn alle Jungs haben ihr geschrieben. Was für eine Enttäuschung. Seitdem hab ich da wohl so einen Knacks, wenn es ums Anmachen von Frauen geht. Aber gut, heute ist das anders. Fast hätte ich mich den vielen Herren angeschlossen und einen überteuerten Blumenstrauß am Straßenrand gekauft, Pralinen dazu und ein Hotelzimmer reserviert. Das macht man nämlich so in China, wie viele westliche Feiertage fällt das hier alles ein bisschen trashiger aus. Ich schließ mich da nicht an. Ich bin dufte genug, dazu bedarf es keine Blumen. Und süß bin ich auch, also scheiß auf Pralinen. Und Hotelzimmer muss man nicht buchen, da kann man ja auch so vorbeigehen und sich einmieten. Nun, stattdessen geht es ins Kino. Chinesischer Liebesfilm pünktlich zum Tag der Liebe. Mir schwant schon Böses, aber ich werde positiv überrascht. Der Film ist gut und eher was für das aufgeschlossenere Publikum, von dem es in China jetzt scheinbar immer mehr gibt.
Dienstag geht es zunächst nach der Mittagsruhe in die Schneiderstraße neben der Kühlschrankstraße. Ja gut, Hemden kann man da mal machen lassen. Dann ziehen wir kurz über den Bund, den ich im Sommer aber ja schon zur Genüge hatte. Des Prachtbubens wegen erbarme ich mich aber. Da das Wetter momentan ziemlich bescheiden und kalt ist, hilft uns der Family Mart weiter, der seinen Kühlschrank angemessen auf 37 °C eingestellt hat. Das Büchsenbier ist so auch nicht viel schlechter als gewöhnlich und der positive Nebeneffekt des Handwärmens ist auch vorhanden. Dann treffen wir die anderen ach so beschäftigten Praktikanten in der Super Brand Mall zum Essen. Das Restaurant soll thailändisch oder so darstellen, vielleicht auch etwas Sichuan oder indisch, auf jeden Fall eine sehr gute Mischung. Und nicht nur das Essen ist fantastisch, sondern auch die Unterhaltung. An einem Tisch weiter weg sitzt ein Geburtstagskind, das vom Personal besungen wird. Die tanzenden Damen sind heiß. Ich werfe ihnen Kussmünder zu. Leider verfehlen sie ihr Ziel und landen beim Thai-Phileppino mit den weichen Gesichtszügen, wäre er in Thailand geblieben, wäre er jetzt wohl eine sie. Er ist entzückt und erwidert die Küsse. Im Laufe des Abends machen sie weiter Stimmung und auch wir sollen sie dabei unterstützen. Scheu sind wir da ja nicht und so ist es eine wahre Wonne, entwickeln wir uns doch zunehmend zum Animateur und übernehmen so die Aufgabe des Thai-Phileppinos. Videos sollen folgen. Nicht nur mir fällt es am Ende schwer, den Laden zu verlassen.
Am Mittwoch versuche ich es dann mal mit Arbeiten. Ein Projektbericht steht nämlich noch an. Theoretisch habe ich den Berichtsaufbau schnell unter der Dusche konzipiert. Praktisch habe ich ihn schnell als Mindmap geschrieben. Jetzt nur noch Text einfügen. Denkste. Dieses verdammte Internet, dass sich in China am Vormittag überhaupt nicht aktualisiert, hat eine zu hohe Anziehungskraft und ich werde wahrlich zum Hartzer. Ich bin richtig sauer auf mich selbst, kann aber nichts dagegen tun. Nun, ich schiebe es auf den aus den Fugen geratenen Schlafrhythmus, der mir momentan sämtliche Energie raubt. Morgen ist auch noch ein Hartzer-Tag!

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#002: 11.02. – 13.02.: "Drei Chinesen mit dem Kontrabass!"

Wednesday, 16 February 2011 01:31 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Völlig ausgemergelt treffen mich die anderen an, als sie am Freitag von der Arbeit kommen. Es hat für mich nur zu einer schnellen Nudelsuppe und etwas Quietschgemüse gereicht, nicht gerade üppig für das, was ich die zwei vorherigen Tage durchleiden musste. Und dann schieben die Idioten auch noch Überstunden. An einem Freitag.
Nun, ein Abendessen gibt's dann im Sichuan-Restaurant gegenüber. Endlich wieder tausendjährige Eier. Und dazu Bier.
Bier gibt's dann auch noch später in der Wohnung, wo meine Auferstehung gefeiert wird im nicht ganz kleinen Kreis und bis zu leicht später Stund. Es versteht sich von selbst, dass der Sessel zunächst meine Schlafstätte darstellt. Ich kann das ja ganz gut, irgendwo einfach einschlafen.
Dennoch erwache ich letztendlich im eigenen Bett und zwar durch das Rumsen der Tür. Die Buben gehen wohl zur Arbeit, denke ich, denn an diesem Samstag müssen die versäumten Tage vom Frühlingsfest aufgeholt werden. Zu diesem Fest wurden Firmen schließlich dazu gezwungen die Türen zu schließen, damit möglichst viele Leute Urlaub machen können. Wie bereits einst erwähnt ist China eines der wenigen Länder, in denen Urlaub der Wirtschaft gut tut, weil der gemeine Chinese sich dann mal was gönnt.
Nun, Pustekuchen. Die Uhr zeigt mir an, dass es bereits 17 Uhr ist. Ich habe also circa 15 Stunden durchgepennt und könnte ruhig noch die eine oder andere Stunde dranhängen. Aber irgendjemand muss ja die Bude aufräumen, das passiert auch nicht von alleine.
Ich habe auch noch zwei Stunden, denn dann geht's abermals auf die Pirsch. Und wie! Teppanyaki steht auf dem Plan. Diese Art des japanischen Essens sieht so aus, dass man in U-Form um eine Edelstahlplatte hockt und der Koch vor den Augen Fleisch, Fisch und Gemüse zubereitet und unter den Gästen dann verteilt. Klingt schon spektakulär. Noch spektakulärer wird's allerdings, wenn neun Deutsche, ein Däne und zwei Chinesen auftauchen und das allseits beliebte "All you can eat"-Angebot für 160 RMB pro Nase wählen. "All you can eat" klingt schon spektakulär. Spektakulärer wird's, wenn man nicht nur unendlich viel essen darf, sondern auch trinken. Und nicht nur irgendwelchen Fusel, sondern gute Bierchen und feinen Sake.
Nun, es wird viel gegessen. Und getrunken. Und gegröhlt. Und gesungen. Beispielsweise bekommt Max es ganz fein hin, das Lied "Drei Chinesen mit dem Kontrabass" grob ins Chinesische zu übersetzen. Und auf neue Spielregeln kommt man. So muss beim Gruppen-"Schere Stein Papier" der Verlierer ein Glas Sake mit einer gehörigen Portion Wasabi vernichten. Ein Höhepunkt ist sicherlich auch die Bierstaffel, die die Italiener vom Nebentisch mit den Deutschen vom anderen Nebentisch anzetteln. Der Prachtbub darf das Deutsche Team komplettieren. Wer gewinnt ist ja wohl klar und für wen unsere Sympatien schlagen auch, so fällt der Freudenjubel noch gewaltiger aus und ich habe selten so viele Kellnerinnen sich so mit einer Situation überfordert gesehen, wie jetzt. Diese folklorische Stimmung lobe ich mir und Oma, ich will jetzt nicht petzen, aber Torben muss ich heute Abend das ein oder andere Mal Quieken hören! Ob es nun Tränen der Freude oder der Trauer in den Augen des Inhabers sind, als wir gehen, ist mir egal. Für uns hat es sich auf jeden Fall gut gelohnt.
Abgerundet wird der Abend mit einem Besuch des C's, einem auf den ersten Blick recht ranzigen Schuppens, der so gar nicht in die Glitzerwelt Shanghais passt, mit Edding-Schriftzügen an den Wänden etc. pp., aber letztendlich doch viel Charme vermittelt. Getanzt wird im deutschen Kartoffel-Stil, nicht sehr rhythmisch aber dennoch irgendwie gut anzusehen. Und dann nächtige ich auch schon wieder nur 12 Stunden nach aufstehen.
Und wach werden wir abermals erst am mittelspäten Nachmittag, gut angerädert. Da kommt der Cheese-Burger aus der Sofa-Ritze, der noch vorm Schlafengehen bestellt wurde, gerade recht. Lecker kalter Cheese-Burger. Den Käse schmeckt man eigentlich nicht mehr, dafür aber jeden Knorpel, der ins Fleisch gemischt wurde, umso doller. Ein Genuss für den geschundenen Körper!
Ein Inder soll uns am Abend dienen, aufgrund von zu langer Lieferzeit ziehen wir es dann auch vor, ihn direkt aufzusuchen. Und das ist's dann auch schon gewesen mit dem Sonntag.

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#001: 08.02 – 11.02: "Waren Sie hier zuletzt auf www.Russenschl... .de?"

Sunday, 13 February 2011 01:35 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Verehrtes niederes und höheres Volk!
Fast wäre meine Reise und die des Halbprachtbubs schon im Ansatz gescheitert. Mit 5 kg Übergepäck und doppelt so schwer wie erlaubtem Handgepäck betreten wir die Schlange vor unserem Check-In-Schalter. Und in dieser stehen wir dann erst einmal. Ein kleiner Blick Richtung Schlangen-Anfang alle fünf Minuten verrät mir, dass das an einer Mutti liegt, die mit fünf kleinen Gepäckstücken einchecken möchte, scheinbar aber nicht die dafür nötigen Papiere bei sich trägt. Gut, das wär jetzt für mich kein Problem, für die beiden Miezen vom Schalter wohl auch nicht, jedoch für den breiten, sturen Herren hinter den beiden. Dieser ist vom Schlag Hobby-Justizvollzugsanstaltswärter und weiß mit sturrem Blick und nimmerlächelndem Mundwerk zu überzeugen. Mir schwant sehr Böses, wenn ich da meinen Koffer bedenke.
Nach zwanzig Minuten (nicht gefühlt, sondern in echt so), ist die genervte Schlange dann ihren lästigen Kopf los, Mutti muss mit Papieren an einen Schalter und darf sich irgendwann wieder hinten anstellen. Beim Blick über die anderen wartenden vergeht mir eigentlich auch schon die Lust auf den Flug. So manche Mentalitäten sind nämlich nicht ganz so meine. So auch nicht die der Menschen, die sich obenrum in feinsten Pelzmantel hüllen, untenrum aber eine ausgewaschene, schweinspinke Frottee-Hose tragen, die wiederum in pelzigen Stiefeln steckt und die etwas dem Umfang entsprechend zu kurz geratenen Schenkel gleich noch dicker erscheinen lässt. Das optische wird abgerundet durch eine imaginäre, schützende, vor allem aber riechende Hülle. Andere würden sicherlich von "Nuttenparfum" sprechen.
Ich habe nachher Glück, denn unser Amateur-Menschenhasser vom Schalter ist gerade durch ein Gespräch abgelenkt und die Mieze vom Schalter ist bestimmt auch froh, endlich mal normale Leute zu sehen, mein Gepäck geht also so durch. Auch die Personenkontrolle passiere ich, auch wenn man von meinem Laptop natürlich gerne noch eine Sprengstoffkontrolle hätte. Ich schiebe den Verdacht darauf auf den Bart.
In Moskau wird kurzer Hand der Duty-Free-Shop geplündert, allerdings mangelt es an Bechern. Wir ziehen kurz in Erwägung, noch einen Satz Matrjoschka zu kaufen, um diese als Becherchen zu missbrauchen, haben aber Angst, dass man das missversteht und beschränken uns auf eine leere Wasser-Flasche. Die fünf Stunden Wartezeit vergehen dann wie im Flug. Der Flug hingegen nicht. Das liegt an der künstlich herbeigeführten Bettschwere, die man uns nicht erwartungsgemäß in Form von Flüssigkeiten gewehren will. "Naja, da gibt es wenigstens was zu trinken aufm Flug," wurde ich mitleidig damals im Reisebüro belächelt. Pustekuchen sag ich! Der Ken lächelt nur verlegen, als wir nach der Weinauswahl fragen und schielt scheu zur Dame auf der anderen Seite des Saftwagens. Dürfe man nicht mehr ausschenken, wird uns von ihr gesagt, das hätte keine guten Auswirkungen auf so manche Fluggäste gehabt, in der Vergangenheit. Nun gut, laut Internetforen hat es hauptsächlich keine guten Auswirkungen auf einige Piloten gehabt, aber ob man das dann gleich an uns auslassen muss?
Der Flug wird uns dann dadurch versüßt, dass man die Heizung auf eine Temperatur stellt, bei der der Körper nicht weiß, ob er schwitzen soll oder nicht, auf jeden Fall ist es nicht angenehm und an Schlaf kann ich zwar denken, ihn ausführen kann ich aber nicht. Dazu bietet mir das Entertainment-Programm einen guten Film, aber auch der macht nur ein Sechstel der Flugzeit aus. Nun, Aeroflot wird mich wohl nicht wieder begrüßen dürfen, auch wenn sie das laut abschließender Ansage im Flieger gerne hätten.
In China ist wenigstens alles weiterhin in bester Ordnung. Im Flughafen macht man einen Spießroutenlauf durch die ganzen wartenden Taxifahrer und findet dann einen, der von Schumi in seinen besten Tagen inspiriert ist, rechts und links überholt und Fahrbahnmakierungen als Ideallinien ansieht.
Nach kurzem Frischmachen bei Max Windpower, meinem ehemaligen Mitbewohner, gibt's leckeres Nudelsüppchen beim Moslem um die Ecke und anschließend nen feinsten Haarschnitt bei Shirley im Salon gegenüber. Bei der Wohltat für meinen Kopf schlafe ich fast ein, halte aber durch, bis ich wieder bei Max bin. Am Abend wird noch kurz angestoßen, bis ich für die nächsten Tage zunächst unauffindbar verschwunden bin.

Ps.: Man möge mir verzeihen, dass ich keinen täglichen Kommentar hinbekomme, aber das wäre zu viel Versprochen, ist dieses Mal das Ende der Reise doch nicht absehbar!

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