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Mirko

Mirko

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#037: 16.05. – 07.07.: „Semesterende vorm Semesterende.“

Tuesday, 01 November 2011 13:14 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Neben sämtlichen Vorlesungen müssen wir in diesem Studium pro Semester ein individuelles Projekt durchziehen. Zu Semesterbeginn gab es deshalb ein Treffen mit den Rahmenbedingungen und den Themenvergaben, bei dem abgemacht wurde, dass Ende des Semesters ein Kolloquium mit den Projektergebnissen abgehalten werden solle. Soweit, so gut. Die Frage, wann Semesterende sei, wurde mit „Mitte Juli“ beantwortet.
Soweit so gut. Mitte Juni sind dann auch sämtliche Vorlesungen verlesen und in meinem Kopf war der Plan verfasst, mich ausschließlich um das Projekt zu kümmern, ein Monat Zeit sollte da locker reichen. Aber erst einmal kann man ja den Prachtbuben in Shanghai besuchen für geschmeidige acht Tage.
Dass diese dann aber im Stress verbracht werden (selbstredend nur im gedanklichen Stress, äußerlich lass ich mir da ja nichts anmerken), liegt am Telefonat, das mich am Flughafen erreicht. Dort heißt es, dass das Kolloqium in 1,5 Wochen stattfinden würde. Gut, acht Tage Shanghai… dann hätte ich am Ende noch zwei Tage für das Projekt. Is n büschn wenig, aber ich hätte ja in Shanghai Zeit und bin ein Meister im 10-Finger-Tippen. Dennoch bin ich verärgert, da es ja „Semesterende“ hieß und nicht „ein Monat vor Semesterende“. „Ja, aber muss man schon vorher abgeben, sonst kriegt man keine Note!“ Chinesische Spontanität und Termin-Einhaltung, wie ich sie liebe!
In Shanghai bekomme ich nicht wirklich viel hin, dafür dann wieder in Xi’an. Ich bereite meinen Prof mental darauf vor, dass ich einen Vortrag halten könnte, der auch die Ergebnisse widerspiegeln würde, allerdings noch keinen ganz fertigen Bericht abgeben könnte. Stößt bei unserer Betreuerin nicht ganz auf Begeisterung, weshalb das Kolloquium gleich um eine Woche verschoben wird. Das wär dann auch ganz praktisch, denn dann könnten wir das Ganze gleich auch noch der deutschen Delegation von unserer Hochschule vorstellen. Ich verfluche mich für meine voreilige Entschuldigung und den daraus folgenden Konsequenzen, denn da ich nicht wirklich ein Vortragsmensch bin, hätten mir vier chinesische Profs locker gereicht. Studiengangsleiter und Rektor unserer deutschen Hochschule brauch ich da nicht auch noch extra.
Letztendlich geht aber alles gut, mein Bericht wird länger als die meisten Abschlussarbeiten chinesischer Kommilitonen und die Ergebnisse sind auch mehr als befriedigend. Selbst der Vortrag läuft einwandfrei. Ich bin ein Teufelskerl. Und schwupps habe ich gleich mehr als zwei Wochen früher Semesterende.

#038: 08.07. – 21.07.: „Deutschlehrer Mirko.“
Über Umwege erreicht mich ein Anruf eines ehemaligen chinesischen Studenten unseres Studiengangs, der jetzt eine Aupair-Vermittlung leitet. Er hätte da acht Studenten und Studentinnen, die Deutsch lernen, leider fehle ihm Mitte Juli für acht Tage die Zeit, diese zu unterrichten und er hätte da gerne einen Deutschen, der für die Zeit den Unterricht leitet.
Schon wieder soll ich mich vor ne Klasse stellen. Ich habe eigentlich keine große Lust dazu, mit zitternder Stimme und Achselschweißfluss zwei Stunden zu Reden, allerdings ist die Vergütung mit 200 RMB (mittlerweile so 23 Euro) pro Stunde (inkl. 10 Minuten Pause) zu gut und vor dem Urlaub geradezu angebracht. Man muss mich also nicht lange überreden, acht Wochentage à zwei Stunden kann ich wohl locker opfern.
Ich bereite mich mit Politik und Kultur gut vor, teile kindgerechte Texte aus, merke aber schnell, dass das sich zum Selbstläufer entwickeln würde. Meine Schüler sind sieben Damen und ein Herr im Alter zwischen 20 und 23 Jahren und gerade bei den weiblichen Geschöpfen komme ich gut an. Ich bin ja auch ein fescher Kerl. Wir kommen in meinem Plan also nicht ganz so schnell voran, da es sich meistens zu einer lustigen Gesprächsrunde entwickelt mit interessanten Fragen, die auch zum Teil an die Grenzen des Erlaubten gehen. So soll ich doch bitte mal die Vorteile einer Demokratie gegenüber einem Ein-Parteien-System erläutern (was ich recht diplomatisch löse…), werde gefragt, ob Abtreibungen in Deutschland zum einen teuer und zum anderen schmerzvoll seien (ich muss sie enttäuschen, dass ich persönlich noch keine Abtreibung mitgemacht habe, erst recht nicht am eigenen Leibe) und wie und wo man Präservative kaufen könnte (auch in China).
Am Ende ziehen wir die zwei Stunden ohne Pausen durch und ich mache unentgeltlich Überminuten. Zum Schluss stehen 3200 RMB zu Buche, ein paar Mittagessen mit meinem „Chef“ und viele kleine Geschenke meiner Schüler. Für einen weiteren Kurs im Winter bin ich ebenfalls fest eingeplant.

#039: 22.07. – 17.08.: „Sommerferien Part 1, Shanghai.“
Mein Engagement als Deutschlehrer ist beendet, Hausarbeiten und Projektbericht abgegeben, der Sommerurlaub steht also vor der Tür. Drum gilt es, noch einmal kräftig in Xi’an zu feiern, weshalb ich die ganze Baggage am Tag vor meinem Abflug noch einmal im Park Qin treffe. Da mir sowas schon schwante, hatte ich den Flug nach Shanghai extra auf nachmittags 16 Uhr gelegt, damit ich auf jeden Fall noch genügend Zeit hätte zum Packen und frisch werden.
Die gewähnte Sicherheit ist jedoch nur allzu trügerisch, wenn man den Weg ins Bett erst nach mehreren Tequila um sieben Uhr in der Früh findet. Dann kann es halt passieren, dass man erst um 13 Uhr durch Zufall erwacht. Das ist jener Zeitpunkt, an dem ich den Flughafenbus erwischen wollte. Schnell packen lautet nun die Devise. Leider ist die ganze Wäsche aber noch nicht so trocken, wie ich das gerne hätte, weshalb das Bügeleisen ausgepackt werden muss. So dauert dann auch das Packen eine gefühlte Ewigkeit und als mir beim Verlassen der Haustür dann noch am Hemd ein Knopf abfliegt und ich es wechseln muss, ist mir klar, dass ich auch den zweiten Flughafen-Bus um 14 Uhr verpassen würde. Ich gehe trotzdem zum Abfahrtsplatz, da dort immer noch andere Menschen warten und sich einige Taxis auf die schwarzen Touren zum Flughafen konzentriert haben. Leider stehen heute nur Taxis da und keine weiteren Passagiere, und die Fahrer dieser Taxis sind auch eher skeptisch, ob ich das noch pünktlich schaffen würde, da es nur noch 1,5 Stunden bis zum Abflug seien und es regnet, und wenn es regnet drehen die Leute hier hohl und brauchen alle einen fahrbaren Untersatz. Ich klopf meinem Fahrer auf die Schulter und sage, dass ich ihm voll und ganz vertraue und siehe da, als wir ankommen habe ich noch 25 Minuten zum Check-In. Das ist ja eigentlich auch kein Problem, wenn das nicht der Xi’an’er Flughafen sei. Nach 15 Minuten stehe ich immer noch in der Schlange und habe gezählt, dass in der Zeit vielleicht drei Passagiere einchecken konnten. Trotz Rest-Tequila in der Birne habe ich den Dreisatz schnell ausgerechnet und stelle fest, dass die wahrscheinlich keine 15 Leute in 10 Minuten hinbekommen. Am Notfall-Schalter ist die Schlange genauso lang, also beschwere ich mich am 1. Klasse-Schalter über die Lahmarschigkeit ihrer Kollegen und komm tatsächlich noch pünktlich dran. Nach dem Security-Check höre ich auch schon den Last-Call für meinen Flug und renne nach links, da ich zum Gate 17 muss und in der Ferne die 18 deutlich erkennbar ist. Aber nur, weil links ne 18 ist, heißt das noch lange nicht, dass daneben auch noch ne 17 ist. Es gibt nur noch 19, 20, 21… Gate 17 sei hingegen ganz rechts. Ich freue mich, einen weiteren Sprint durch den gesamten Flughafen zu unternehmen und dass ich letztendlich auch noch den Bus zum Flugzeug erwische. Das ganze jedoch stark schwitzend und außer Puste, ich frage mich auch wieder, warum ich überhaupt geduscht habe. Die Dankbarkeit für meinen Sprint folgt auch sogleich, da der Bus noch weitere 10 Minuten steht, bevor es zum Flieger geht.
In Shanghai bleibe ich dann spontan 4 Wochen, da die Mutter kommt, ich mehrere freie Zimmer zur Verfügung habe und dort mittlerweile einen recht großen Kreis an Freunden habe. Ich wüsste auch gar nicht, wo ich alleine hin sollte.

#040: 18.07. – 28.08.: „Sommerferien Part 2, Vietnam.“
Der Prachtbub hat endlich sein Praktikum hinter sich und plante seit jeher, anschließend einen Abstecher nach Vietnam zu unternehmen. Da Shanghai mir mittlerweile auch wegen Schwüle zu schweißtreibend wurde, sage ich spontan zu und begleite ihn.
Vietnam ist wunderschön, die Landschaft hat mit Mehr, Strand, Dschungel, Mekong-Delta viel zu bieten, das Leben ist günstig, das Essen nicht so glutamatverseucht wie in China (ich bekomme nicht einmal Magenprobleme in der gesamten Zeit), die Menschen offenherzig und freundlich. Wir lassen uns zunächst in Ho-Chi-Minh-City (oder auch Saigon genannt) nieder und unternehmen zwischendurch einen Trip nach Vung Tao ans Meer. Da Torben sein ganzes Hab und Gut aus einem halben Jahr Shanghai mit sich rumzuschleppen hat, sind uns die typischen Rucksacktouristen-Touren etwas verwehrt, aber wer sagt denn, dass wir nicht wiederkommen würden. Bevor wir allerdings einen Rucksack-Trip unternehmen, sollte der Prachtbub noch etwas über die Kraft der äquatornahen Sonne lernen. „Ich will, dass alle in Deutschland denken, ich hätte ein halbes Jahr nur in Saus und Braus gelebt und nur Sonne getankt, so brauch soll ich werden,“ waren seine Worte, weshalb Sonnencrème zunächst überbewertet wird. Ich mahne und mahne, aber es geht ja gut. Zumindest die ersten eineinhalb Stunden. Dann ist er bereits krebsrot. Die nächsten Tage fällt das Tragen von Hemden bereits sehr schwer, an einen Rucksack ist da gar nicht mehr zu denken. Aber es verschafft ihm wenigstens einen Grund, sich intensiver um seine Abschlussarbeit zu kümmern.
Da Vietnam erst seit 20 Jahren von Touristen besucht wird, man darin aber eine sehr gute Geschäftsquelle gefunden hat, werden sehr viele Touristenführungen angeboten, deren Angebote unschlagbar günstig sind, wenngleich man natürlich Abstriche machen muss, da die vorgeführten Orte dann sehr stark touristisch sind. Ich mache eine Tour ins Mekong-Delta für zwei Tage alleine mit, die Cu Chi-Tunnel sehen wir zu zweit. Diese Tunnelsysteme wurden früher von den Vietkong genutzt, um die Amis zur Weißglut zu bringen. Jack der „Survivor, unser Gruppenführer war sichtlich stolz auf all die Hinterhalte und Fallen, die sich seine Landsleute ausdachten, um gegen das starke Geschütz des Feindes erfolgreich anzukämpfen, und das obwohl er während des Kriegs Übersetzer von amerikanischer Seite spielte. Generell geht man hier mit dem Thema Vietnam-Krieg trotz erheblicher Nachwirkungen recht „locker“ um, spricht vieles offen aus, mahnt und verzeiht dabei aber.
Alles in allem kann man von den Vietnamesen also von einem sehr netten Volk sprechen. Was wahrscheinlich etwas gewöhnungsbedürftig ist, sind Töne und Aussprache, die zum Teil sehr quakend wirken. In Sachen Musik sind sie sehr viel toleranter, was das Treffen des Tons betrifft, da es einfach viel mehr richtige Töne gibt.

#041: 29.08. – 06.09.: „Sommerferienende?“
Aus Vietnam komme ich nur kurz zurück nach Xi’an. Hier habe ich erst einmal vier freie Tage (weil die ganzen Vorlesungen doch erst später beginnen), bevor ich endlich wieder in den Urlaub komme. Es stehen fünf Tage Sanya auf dem Programm, das den südlichsten Zipfel Chinas darstellt und mit Top-Stränden und bestem Seafood reizt. Rosy, einer Freundin aus Shanghai, hatte ich versprochen mit ihr dorthin zu fliegen, bevor sie zum Studium nach Europa geht. Und als Mann der Ehre halte ich meine Versprechen, auch wenn es in meine Vorlesungszeit fällt. Wie es der Zufall so will, klingelt natürlich gleich am ersten Morgen mein Telefon, ich ignoriere meine Betreuerin aber gekonnt und hoffe, dass mein Mitbewohner das irgendwie regeln kann und ne Ausrede für mich findet.
Dass wir erst nach den Ferien nach Sanya kommen hat den Vorteil, dass Stadt und Strände recht leer sind. Sanya gilt auch als russiches Mallorca, sodass die zweite Sprache in den Speisekarten nicht Englisch sondern Russisch ist, aber auch von denen tummeln sich eher wenige rum. Die Strände sind tatsächlich schön, das Meer türkies, Fisch und Krebs munden sehr und die Sonne sorgt für eine Extra-Portion Teint.
An einem Tag machen wir eine Tour mit, die Bootstour, Angeln, Tauchen und Grillen bietet. Mit einem kleinen Ausflugsboot werden wir erst zum Angeln an die Meeresmündung gefahren. Ich erangele einen Fisch der toll aussieht, allerdings nicht zum Verzehr geeignet ist, bevor mir Neopren-Anzug gereicht wird. Tauchgang sieht hier so aus, dass man die Ausrüstung zwar anbekommt, aber nichts selber steuern darf, sondern ein Tauchlehrer den Druck ausgleicht und einen durch das Meer schiebt. Zum normalen Taucher-Kodex zählt meines Wissens, dass man gucken, aber nicht anfassen sollte. Das ist hier ein bisschen anders. Man dürfte alles anfassen, außer den Tauchlehrer. Wir sollen sogar alles anfassen. Als ich mich erst weigere, presst mich der Tauchlehrer dann mit dem Körper gegen die Korallen, schließlich muss man sowas mal gespürt haben. Sollen sich die folgenden Generationen doch ihre eigenen Korallen suchen, oder die Korallen sich evolutionstechnisch weiterentwickeln und einfach härter werden!
Nach dem Tauchgang geht’s zu einem Hausboot, auf dem bereits gegrillt wird. Selbstredend gibt es keinen der gefangenen Fische, da die dann doch etwas zu klein sind. Nach dem Essen dürfen dann noch einmal alle, die zu geizig waren, die 20 RMB extra für den Tauchgang zu zahlen, zur selben Stelle fahren und schnorcheln.
Sanya ist insgesamt noch einmal sehr erholend. Genau das richtige vor einem hoffentlich anstrengendem Semester.
 

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#035: 16.05. – 20.05.: „Die Abspaltung der Mongolei – oder wie man die Japaner verarscht.“

Saturday, 11 June 2011 00:16 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Man möge sich die Karte oben anschauen und sich denken, die Mongolei ist noch ein Teil Chinas. Wonach sehen die Umrisse dann aus? Selbstredend, nach einem Blatt. So weit, so gut. Blöd ist nur, dass die Japaner sich gedacht haben: So ein tolles großes Blatt, dann sehen wir halt aus, wie die Seidenspinnerraupe, die das Blatt fressen kann.

Und schon ist es ganz schön uncool, ein Blatt zu sein.

Zunächst war es aber lange schön, die Mongolei als sein eigen bezeichnen zu können, wurde doch zuvor extra wegen der gefährlichen mongolischen Horden die große Mauer errichtet, um das chinesische Reich zu schützen. Jetzt die ehemaligen Gegner einzuverleiben hat natürlich schon was, und so blieb das auch bis 1911. Dann hatte die Mongolei aber auch nicht mehr so viel Bock, Teil Chinas zu sein und sonderte sich ab, natürlich ohne nach Erlaubnis zu fragen. Vielmehr tat man sich mit Tibet zusammen, auch so ein Störenfried, und erklärte sich gegenseitig unabhängig, reicht ja auch. Fand China jetzt auch nicht sooo gut, aber man hatte andere Probleme. Nämlich zum Beispiel irgendwann die Japaner, die es sich 1931 zur Aufgabe machten, China zu erobern. Die Verteidigung des restlichen Territoriums hatte da erst einmal Priorität, klappte auch mit Müh und Not und letztendlich ist es den Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki 1945 zu „verdanken", dass Japan aufgab.

Und um die Demütigung dann noch ein bisschen größer zu ausfallen zu lassen, beschloss man in China im selben Jahr, die Mongolei ebenfalls als unabhängig zu akzeptieren. Und nun schaue man sich die Karte ein weiteres Mal an und betrachte nur die Umrisse Chinas, was hat man dann? Richtig, einen Hahn mit Kopf Richtung Osten. Und was macht so ein Hahn ganz gerne Mal? Richtig, der frisst mal ganz gerne so ne Seidenspinner-Raupe.

Seit jeher wird quasi geographisch zurückgeschlagen und so war der Verlust der Mongolei doch ein Gewinn für China.

Selbstredend ist das in erster Linie meine Auffassung von der Geschichte, wenngleich die historischen Eckdaten stimmen. Auch, dass man jetzt sogar so stolz auf den Hahn ist, dass es nicht nur irgendein Hahn ist, sondern sogar ein goldener. So steht es im Lektionstext und unsere Professorin war auch voll enthusiastisch beim Erzählen über die kleine Raupe, die das Blatt wollte und sich jetzt letztendlich gegen einen Hahn anlegte.

Da wurden sie ganz schön verarscht, die Japaner.

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#034: 14.05. – 15.05.: „Schuuuufuuuu.“

Thursday, 09 June 2011 09:14 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Man kann Wochenenden wie normale Westler gestalten, nämlich mit dem ein oder anderen Getränk, in der Masse und sich bis in die frühen Morgenstunden müde zappelnd im Club, man kann es aber auch mal mit der Gelassenheit chinesischer Kalligraphie-Meister angehen.

Von jenen werde ich heute nämlich beim Essen weggeholt, da das dortige Rumsitzen ja zu nichts führen würde. Und so geht es erst einmal in eine Karaoke-Bar etwas außerhalb des Stadtkerns. Klar, unter vier Männern ist das jetzt nicht sooo das Wahre, also werden ruckzuck von der Bar abgestellte Damen herangezogen, die zum Singen und Tanzen animieren. Singen, Musik und Frauen sind nämlich 舒服 (sprich: Schuuufuuuu), also ganz gemütlich. Die bleiben dann für zwei, drei Stunden, je nachdem wie lange man sie entlohnen möchte. Reicht auch. Tanzen kann ich nicht und singen erst recht nicht. Dafür kann ich gut essen, weshalb die nächste Station die Kalligraphie-Straße ist, in der nachts die Grillmeister vorfahren und die zuvor auf Spieße gefriemelten Fetzen Fleisch köstlichst erhitzen. Gut gegrillt und gewürztes Fleisch ist nämlich schuuuufuuuu. Da ist es auch schon recht spät in der Nacht, aber das tut der Abendgestaltung keinen Abbruch, denn die Füße wollen noch massiert werden. Und zwar in einem etwas zwielichtigem Schuppen, in dem nur Männer erwünscht sind, die sich vorher noch duschen, aber das ist selbstverständlich auch sehr schuuufuuuu, frisch geduscht und im Bademantel sich die Füße durchkneten zu lassen. Das wird dann getan im Großraummassagesalon auf jeweils großen Sesseln, die zum Schlafen animieren. Ich wache hier nur einmal kurz auf, und zwar in dem Moment, als die Frau mit dem Flammenwerfer meine Füße kurz anhitzt. Der Schuuuufuuuukeit wegen. Und natürlich verbringt man die Nacht dort, auch wenn ich es nicht als soo schuuuufuuuu ansehen kann, in einem Großraum zu schlafen mit vielen Männern mit Bronchienproblemen und dem Hang zum Schnarchen.

Am Morgen schaufelt man sich dann noch eine gute Lamm-Brot-Suppe rein und lässt so die schuuuufuuuuige Nacht ausklingen. Die Meister sind dann bestens gerüstet für die Arbeit, ich eher für's Bett. Ist ja auch nicht ganz ohne Schuuuufuuuuigkeit, wenngleich die Baustelle nebenan am Sonntagvormittag vom Geräuschpegel her den Großraummassagesalon noch um weiten schlägt.

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#033: 09.05. – 13.05.: „Chinesische Namen.“

Thursday, 09 June 2011 09:14 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Ich muss mich leider entschuldigen, mit großartigen neuen Stories kann ich zur Zeit schlecht auffahren, sitz ich doch größtenteils in meinem Kämmerlein im sechsten Stock und mach so etwas wie studieren. Also pack ich mal wieder mit kunterbunten Geschichten aus der Welt der Chinesen aus. Heute geht es um Namen.

Zum Grundsätzlichen kann man sagen, dass ein Name stets mit dem Familiennamen beginnt, der aus einem Zeichen besteht (in seltenen Fällen sind es zwei, die sind dann aber bekannt) und dann ein normalerweise aus ein bis zwei Zeichen bestehender Vorname folgt (wobei man nun ja nicht mehr von Vornamen sprechen kann). Blöd an der Sache ist nur, wenn die Chinesen mal in westliche Länder gehen und sich dann umstellen und sich jedem Westler auf westliche Art vorstellen, der Westler es aber wieder verdreht und so der Rufname letztendlich wieder zum Nachnamen wird. Mir geht es hier bei vielen Menschen so, aber letztlich reagieren sie doch immer auf mein Kommando.

Die Namensfindung ist essentiell und ultrawichtig in China, was die Schwangerschaft gleich doppelt schwer gestaltet. Denn einem Namen wird viel Bedeutung beigepflichtet, er muss wohl überlegt sein und man muss auf vieles achten, aufdass möglich viel Schicksalsleitendes in ihm steckt. So ist es einerseits die Bedeutung der Namen, auf die geachtet werden muss, sprich er soll Schicksal und Wunsch der Eltern dem Sprössling gegenüber ausdrücken, wie Stärke, Schönheit oder Reichtum. Zum anderen ist aber auch der Inhalt der Zeichen wichtig, also die einzelnen Radikale. Hier spielen Astrologie und die fünf Elemente Gold, Holz, Erde, Wasser, Feuer eine starke Rolle, da diese Elemente im Kreis geschrieben von links nach rechts sich gegenseitig auslöschen, bzw. schwächen, während sie in anderer Kombination sich stärken oder gegenseitig gebären. Komplizierte Sache also. Wenn dein bisheriger Name jetzt leider akuten Wassermangel hat (bzw. es dir an Wassereigenschaften mangelt, die da wären Betrachtung, Lageerfassung, Ruhe), so bekommst du am besten noch das Zeichen (miao) verpasst, da dieses vor Wasser nur so sprudelt (hat drei Radikale), und heißt gleichzeitig noch „Endlosigkeit" oder „Grenzenlosigkeit".

In die Zeichen kann man auch getrost seine eigenen Wünsche packen. Wenn das Erstgeborene nun „leider" ein Mädel ist, was ja immer noch als eher mittel bis nicht so gut gilt, zwecks Alterssicherung und so, bekommt es Zeichen mit der Bedeutung oder der Aussprache von „Sohn folge (bitte)" verpasst, aufdass das nächste Kind, das man sich unter Umständen teuer erschlafen muss, auch ein kräftiger Bub wird.

Nun ist es im chinesischen nicht so wie in anderen Sprachen, wo man Buchstaben zusammenwürfeln kann und schon ergibt sich ein neues Wort, bzw. ein Name, den jeder dann mehr oder minder aussprechen kann, sondern man kann nur auf das begrenzte Repertoire der 60.000 Schriftzeichen zurückgreifen. Und die haben nun einmal fast alle eine Bedeutung, wobei es natürlich auch vorkommt, dass einige nur für Namen verwendet werden. Die Bedeutungen führen dann soweit, dass beispielsweise mein Mannschaftskapitän wörtlich übersetzt „wolkiges Schneeschwein" heißt. Was für'n blöder Name, wenn auch sehr poetisch, mag der dumme Westler denken, aber die Eltern werden sich dabei wohl was überlegt haben.

Oder eine der Agenturen. Denn neben einem Buch mit vielen oft benutzten Namensteilen werden immer öfter Agenturen herangezogen, die den perfekt abgestimmten Namen unter Beachtung des Familiennamens, der Umgebung, der Zeit und der elterlichen Wünsche ermittelt. Da werden keine Kosten und Mühen gescheut und so genießen diese Agenturen neben viel Ehrfurcht auch viel Wohlstand.

Nun sollten alle Namen dann ja fast einzigartig sein, da es für einen dreizeichigen Namen ja 216.000.000.000.000 Kombinationen geben sollte, also bei 1,4 Mrd. Menschen rund 150.000 pro Person. Aber weit gefehlt. An meiner Uni gibt es alleine mindestens 500 Damen, die sich den Namen 李媛 (LiYuan – Pflaume + schöne Dame) teilen dürfen.

Wer nun nicht mit seinem Namen zufrieden ist, weil er anscheinend einer schillernden Zukunft im Wege steht, der muss nicht weinen oder seine Karriere an den Nagel hängen, denn auch dafür ist gesorgt: Wer will kann seinen Namen jederzeit und kostengünstig ändern lassen. Ist zwar etwas lästig für alle drum herum, aber wenn es doch der Karriere dient…

Und schon haben wir wieder was gelernt!

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#032: 01.05. – 08.05.: „Neues von der Baustelle.“

Saturday, 28 May 2011 23:15 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Ich muss sagen, ich habe mich beizeiten dran gewöhnt. Es fällt mir gar nicht mehr auf, wenn die Kinder von der Baustelle nebenan eine Party mit ihrem Vorschlaghammer feiern. Es fällt mir auch kaum mehr auf, dass der Bagger stets seine Drehzahlen in den roten Bereich pumpen muss, um nur einen kleinen Satz nach vorne machen zu können. Das Gequietsche des Lastenaufzugs auf Höhe meines Fensters ist ebenso zur alltäglichen Melodie geworden und ich würde sie wahrscheinlich vermissen, wenn sie irgendwann nicht mehr permanent in meinen Ohren liegen würde. Und auch das Geschnatter während der Pausen ist nichts neues für mich.

Dennoch gab es in letzter Zeit ein paar Momente, die mich senkrecht im Bett stehen ließen. Krach, der mir durch Mark und Bein geht. Das eine Mal werde ich früh morgens von einem riesigen Donner geweckt. Ein Donner, den Aluminium-Platten, wenn man sie hin und her schwenkt hinterlassen, nur viel gewaltiger. Ich brauchte etwas, um es zu realisieren, aber letztendlich erkannte ich, dass es tatsächlich an Aluminium lag. Dieses war für Abluftschächte oder sonstwas gedacht, ist ja auch egal, auf jeden Fall für die oberen Stockwerke. Drum wurden diese Aluminiumplatten, groß und nicht unbedingt zu leicht, auf eine Schiebkarre gelegt und diese nach per Lastenaufzug nach oben transportiert. Dumm nur, wenn das Gleichgewicht einer Schiebkarre als allzu verständlich vorausgesetzt wird und der Aufzug etwas ruckelt. Dann ergibt es sich nun einmal, dass so eine Schiebkarre kippt. Und da ist es auch schön und gut, wenn man um den Aufzug grüne Fangnetze gespannt hat, nur weil man das mal irgendwo gesehen und für schön befunden hat, vielleicht als Sonnenschutz, den eigentlichen Sinn dahinter aber nicht. So ist es für eine Aluminiumplatte natürlich ein Leichtes, sich, bestärkt durch etwas Energie aus der Erdanziehungskraft, durch das Netz zu schneiden und laut donnernd die sieben Stockwerke nach unten zu krachen. Da staunte auch der Heini, der die Schubladen beladen hatte, nicht schlecht, als die Platten unmittelbar neben ihm im Boden einschlugen. Ich war heilfroh, dass er nicht den Geistesblitz hatte, die scharfen Platten auffangen zu müssen.

Ein zweites Mal ist es ein nerviges Gekreische, dass meine Aufmerksamkeit erweckt und mich zum Fenster zieht. Denn ja, auch Frauen arbeiten auf dem Bau. Ihnen bleibt ja nichts anderes übrig, wenn sie aus dem Land in die Stadt kommen. Da muss man nehmen, was man kriegt und da die Bildung außerhalb der Städte nach wie vor etwas zu wünschen übrig lässt, beschrenkt sich die Job-Auswahl auf körperliche Arbeiten. Dass hält Frauen aber noch lange nicht davon ab, sich ab und an wie solche aufzuführen (also natürlich nicht alle und die „typische Frau" gibt es ja auch nicht, und wer mir jetzt einen Strick daraus drehen will und mich als Sexist darstellt, an den appelliere ich: Such dir bitte ein Hobby, wie kochen oder so). Aber wo war ich: Ach ja, die Frau hatte wohl eine Meinungsverschiedenheit mit einem Mitarbeiter/Lover/Freund/Feind, was weiß ich. Und ich glaube, der Typ hatte Recht. Denn aus einiger Erfahrung weiß ich, dass Teile des weiblichen Geschlechts, mit dem Rücken zur Wand und einem leeren Sack ausgegangener Argumente gerne auf zwei, drei Taktiken zurückgreifen, um die Diskussion doch noch für sich zu gewinnen. Manchmal zieht ganz einfach das Argument „Ist aber so!", andere wiederholen gerne das letzte Argument ein paar Mal, ein paar greifen auf ein ganz anderes Thema zurück, also zum Beispiel argumentieren sie damit, dass sie in einer anderen Diskussion (wahrscheinlich auch wegen einer dieser Taktiken) Recht hatten und wenn das dann alles nichts hilft, wird frau einfach laut und schreit rum. In diesem Fall versuchte Madame, die letzten drei Taktiken für sich einzusetzen. So lief sie permanent laut einen Satz (ich verstand ihn nicht recht) wie ein Papagei wiederholend um einen Schutthaufen herum, während ihr „Kontrahent" beschwichtigend und um Raison bittend ihr folgte. Zuerst fand ich es noch amüsant, aber nach einiger Zeit als ich dann auch ihre unverständlichen Worte erstens genau und zweitens genau zur selben Zeit wie sie wiedergeben konnte, eben nicht mehr. Dann entschloss ich mich mal, dazwischenzuschreien. Ein paar Mal. Aber ich wurde nicht erhört. Stattdessen hatte sie genügend Aufmerksamkeit von anderen, die nun dem Spektakel lauschten. Ein paar schlugen sich dann auch auf ihre Seite und baten wiederum den Kontrahenten, einfach mal zu chillen, aber das reichte ihr nicht ganz, und so griff sie letztendlich doch noch zur Endgegner-Waffe: Heulen. Und das zieht immer.

Auch bei mir, weiterschlafen konnte ich nicht mehr.

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