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#020: 31.03.: „Bahnfahrt mit schlechtem Gewissen.“

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#020: 31.03.: „Bahnfahrt mit schlechtem Gewissen.“

Saturday, 21 May 2011 14:20 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00)

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Letzte Woche hat mich eine Freundin gefragt, ob ich nicht Lust hätte, in die Nachbarprovinz zu reisen, da dort die Stadt Luoyang so einiges zu bieten hätte. Ich habe für heute eingewilligt, weil ein verlängertes Wochenende bevorsteht wegen Feiertagen am Montag und Dienstag und letzte Woche eine Professorin angekündigt hatte, dass der Unterricht quasi beendet sei. So viel zur Theorie.

Natürlich wird mir heute Morgen verkündet, dass zwar am Montag und Dienstag Feiertage sind, die Vorlesungen aber selbstredend vorgezogen würden und zwar auf Samstag. Und zwar sei die Vorlesungsreihe beendet, aber nur, um eine Vortragsreihe hintendran zu hängen. Ich müsste also doch glatt noch drei statt null Vorlesungen schwänzen.

Ist mir Schwanz. Mach ich. Mir wurden hier genügend kurzfristige Planänderungen eingeschoben, jetzt halte ich mal mein Wort und treffe mich pünktlich am Bahnhof. Keine fünfzehn Minuten später klingelt das Mobilfunktelefon, den Anrufer mache ich als unsere Betreuerin aus und überspüre die zwarten Vibrationen des Bimmelkastens gekonnt. Kann doch wohl nicht wahr sein, dass man mir gleich hinterhertelefoniert, nur weil ich mal ein einziges Mal fehle.

Mit schlechtem Gewissen steige ich in den Zug. Die Fahrt soll fünf Stunden dauern, also für mich, für den Herren neben mir so ungefähr 20 Stunden, weil er nach unten Richtung Hongkong muss. Er hat sich gedacht, um besser schlafen zu können, knallt er sich etwas Schnaps rein und bietet mir in seinem Redefluss auch welchen an. Ich lehne dankend ab. Aber er darf gerne, dagegen habe ich ja nichts, ich unterhalte mich auch gerne so weiter mit ihm. Sein Nachteil ist aber, dass er nicht soo gut mit Alkohol kann, also rein körperlich. Sein Gesicht und seine Augen nehmen also binnen kürzester Zeit eine ungesunde rote Gesichtsfarbe an und aus eben jenem Augenschlitzen dringt so nach und nach grellweißer Schlaf. Vielleicht ist auch etwas Eiter dabei. Mir ist ein bisschen unbehaglich bei der Sache, und es ist mir gar unangenehm, dass mir so unbehaglich ist, schließlich kann er ja auch nichts dafür. Ich versuche ihn dezent dazu zu bewegen, doch bitte einmal mit der Hand durchs Gesicht zu fahren, indem ich es in jeder Situation kommentarlos vormache. Er versteht nicht.

Zwischendurch ruft dann noch Mini an und macht mich zur Sau, wie ich alleine mit einer Frau verreisen könnte. Ob mir nicht klar sei, was der Plan hinter der Einladung ist, werde ich gefragt. Hmm, nee, ist mir eigentlich nicht so klar, aber in China gelten wohl andere Gesetze. Ich befürchte, ich werde da jemandem diese Tage ganz schön enttäuschen müssen. Und es wird nicht Mini sein.

Nun, nach fünf Stunden erreichen wir Luoyang und ich bin froh, dass zumindest kein Prof mehr angerufen hat. Vielmehr wird mir von Kommilitonen gesagt, dass es im Masterstudium in China sogar gar nicht schlimm sei, wenn man mal fehle. Immerhin ein Gewissensbiss lässt nach.

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