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#013: 12.03. – 17.03.: „Frischlinge.“

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#013: 12.03. – 17.03.: „Frischlinge.“

Friday, 25 March 2011 23:19 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00)

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Vor einigen Tagen wurden wir auf der Straße angesprochen. Auf Deutsch. Und mit der Frage, ob wir nicht die Stuttgarter seien. Unsere verdutzten Augen erblickend klärte er uns rasch auf, dass er Prof sei aus Deutschland und gerade ein paar seiner Studenten an der Uni, die auf der anderen Straßenseite unseres Campus' steht, abgeliefert hatte. Diese würden kein Chinesisch sprechen und seien auch nur für ein Semester da, wenn wir sie mal treffen würden, sollten wir sie doch bitte mal ansprechen und vielleicht unterstützen.

Gesagt, getan. Für den heutigen Samstagabend sind wir zum Essen verabredet und gegebenenfalls zu mehr, da man heiß ist, endlich mal das Nachtleben hier auszukundschaften. Und ohne Plan sei das nicht so einfach. Was für ein Glück, dass wir so eine soziale Ader haben und uns ihrer annehmen, obwohl ich den ganzen Nachmittag auf dem Fußballplatz stand und in drei Spielen vier Halbzeiten abreißen durfte.

Wir sitzen im Haidilao, dem, so sagt man, besten Feuertopfrestaurant. Und es ist auch gut. Aber ich sehe gleich, dass man Leute, die nicht so viel über Land, Leute und Kultur wissen, mit den einfachsten Dingen hier doch überfordern kann. Zunächst zweifle ich daran, ob sie wirklich heiß auf das Nachtleben sind. Denn ein Bier könnte man doch nicht ohne Grundlage runterkippen, auch wenn wir die Gläser immer nur für zwei Schlücke füllen. Und dann ist das auch noch so kalt! Dabei soll man eigentlich froh sein, wenn das Bier in China mal kalt ist. Denn gerade im Winter tut man sich hier schwer, überhaupt den Kühlschrank anzuschalten. Nun gut, für die Frischlinge darf's dann doch zunächst Tee sein.

Es geht weiter damit, dass man sich einen Dip zusammenstellen darf, in den man das gefeuertopfte Essen tunken kann. Da mischt man dann ein wenig Knoblauch, Koriander, Erdnusssoße und scharf zusammen und es schmeckt vorzüglich. Dennoch scheint man in China nichts wiederzuerkennen, sodass ich zunächst jede kleine Zutat erklären muss, sie dann aber mal alleine wurschteln lasse. Das Ergebnis lässt mich innerlich mit dem Kopf schütteln, denn nach 15 Minuten kommt man ohne Schale zurück an den Tisch. Sei zu schwierig. Wir veranlassen noch die Bediensteten, was gutes zusammenzustellen, aber dann ist das eine leider noch erdnussiger als das andere.

Der Rest schmeckt dann auch. Naja, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mir den Spaß erlaube und geronnenes Entenblut bestelle. Ich kläre sie zunächst nicht auf und einige probieren sogar diesen „chinesischen Wackelpudding". Nun, da es zumindest nicht störend schmeckt, rücke ich mit der Wahrheit raus. Zumindest kotzt niemand anschließend, aber es wird mir doch etwas übel genommen. Es geht sogar so weit, dass wir den Feuertopf wechseln müssen (für 40 RMB), da Madame nichts mehr essen könnte, wenn blut drin schwamm. Naja, aber dann in Deutschland Wurst fressen und das Steak auch bitte möglichst englisch…

Einen peinlichen Moment des Schweigens beschwören wir auch noch herauf, nachdem der Prof einige Male anruft und ein wenig Panik wegen Japan und so verbreitet. Schlimme Sache, keine Frage, aber noch sind wir 3500 km weit davon entfernt und der Wind zieht eigentlich in die andere Richtung, weshalb man bei uns nicht viel zu befürchten hat. Wir versuchen dann nämlich die Stimmung aufzuhellen, indem wir erst die beruhigenden Fakten auf den Tisch legen und anschließend die Meinung vertreten, dass wir, wenn das Ende sowieso unaufhaltsam sind, die letzten Züge unseres jungen Lebens mit Spaß verbringen sollten. Kommt jetzt nicht sooo gut an.

Der Abend endet dann im 1+1. Ja, es gibt noch die Garderoben-Hexe und ja, man kriegt immer noch eine Flasche Whisky geschenkt, wenn man eine kauft und ja, wir sind wieder die letzten im Club. Dass der Abend dann auch noch deutlich angenehmer wird, ist den Bachelor-Studenten zu verdanken, die sich später zu uns gesellen.

Die nächsten Tage verlaufen ereignislos bis wir am Mittwoch abermals unser neues Stammrestaurant am alten Campus besuchen. Hier werden wir richtig geliebt. Es wurde uns ein Separé eingerichtet und wenn wir etwas bestimmtes essen wollen, sollen wir es vorher nur sagen und man würde alles daran setzen, den besten Koch der Stadt für jenes Gericht zu beschaffen. Heute sitzen wir allerdings im Dunkeln, weil Stromausfall herrscht. Essen fällt damit zunächst flach, aber die Stimmung ist bei Kerzenschein und Gitarrenmusik so romantisch, dass wir mal wieder gerne länger sitzen bleiben.

Um 4h41 des Nachts, ich befinde mich im süßen Land der Träume, werde ich angerufen. Es ist eine der Frischlinge. Sie fragt mich, warum es am Flughafen dunkel sei und die Türen verschlossen und was überhaupt der Taxifahrer von mir wolle. Ich kläre sie auf, dass man auf Baustellen (wie auch in dem Moment) zwar gerne auch mal die Nacht durchrackert, die nicht-internationalen Flughäfen aber gerne mal schließen. Nun habe ich aber die Fragen, was sie am Flughafen macht und warum verflucht noch einmal so früh. Nun, unsere Worte damals im Restaurant konnten sie nicht beruhigen, ihr Flug Richtung Beijing (also rein theoretisch der Wolke entgegen) geht um acht Uhr in der Früh. Der Weiterflug gen Heimat soll ebenfalls später erfolgen.

Und da waren die Frischlinge nur noch zu viert.

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