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China #2.10 Von J, Spaniern, einer Klugscheißerin und anderen Wesen.

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China #2.10 Von J, Spaniern, einer Klugscheißerin und anderen Wesen.

Sunday, 29 August 2010 20:33 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00)

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Nach meinen Magenproblemen bis Sonntag hatte ich genau zwei Tage nichts. In der Zeit widmete ich mich dann intensiv meiner Thesis, muss ja Zeit aufholen. Mittwoch dann erwache ich schon mit so einem leichten Kratzen im Hals. Ist ja normal, im Sommer. Dennoch traf ich mich abends mit J, oder auch Jisol, wie ich erfuhr, der Koreanerin, die das letzte halbe Jahr mit uns in China an der Uni gelebt hatte. Machte hier Praktikum und so. Bisschen essen, bisschen trinken, dann noch Club mit weiteren koreanischen Freunden, schöner Abend, aber ich musste früher los, für Donnerstag stand ne Reise nach Hangzhou zu einer Firma auf dem Programm.
Wurde nix draus. Ich erwache zwar pünktlich, aber absolut nicht frisch. Das Kratzen hat sich in Halsschmerzen gewandelt, dazu ist die Nase dicht. Kommt davon, wenn die Mitbewohner die Klimaanlage auf 16 Grad runterdrehen und ich zu faul bin, die Fernbedienung zu suchen und mich lieber mit kalten Füßen abgebe. Dennoch ging’s vorerst in Schale geschmissen runter zur Rezeption, ich wollte für die letzten beiden Tage bezahlen. Geld wurde auch angenommen, allerdings forderte man zudem mein Handtuch, das als Decke gilt und meine Schlüssel ein. Ich wollte schließlich heute auschecken. Wollte ich aber nicht. Zwar war die erste Reservierung bis heute begrenzt, da man im Internet nur 10 Tage buchen kann, aber ich hatte extra zweimal nachgefragt, wie es ist, wenn ich länger bleiben will. Da hieß es stets, einfach bleiben, es sei registriert. Nun war der Salat groß. Dann müsste ich bitte warten, man würde es irgendwie regeln, wenn ich aber viel zu packen hätte, sollte ich das tun, bitte. Hab ich nicht gemacht. Hab mich lieber in die Lobby gesetzt und das Internet durchforstet und versucht, meinen Schnupfen wegzutrinken.
Es dauerte knapp zwei Stunden, bis man mir sagte, dass ich wohl bleiben könnte. Das war mir auch vorher klar, eigentlich. Dann rief ich in der Firma in Hangzhou an. Schließlich würde es knapp drei weitere Stunden dauern, bis ich da wär. Würde sich nicht lohnen, wurde mir gesagt. Sollte lieber nächste Woche für zwei Tage kommen.
Stattdessen war ich dann bei Minie, hab ein Bad genommen, soll bei Erkältungen ja helfen. Und abends traf ich die beste Entscheidung, seit ich hier bin: Ich legte mich früh, genau gesagt um neun Uhr abends ins Bettchen.
Freitag stand ich wieder früh auf. Es sollte nach Changzhou gehen, nur ne halbe Stunde von hier mit Zug entfernt. Gehe wieder im feinsten Zwirn nach unten und checkte zum Glück nochmals meine Mails. Treffen wird leider nichts. Chef hatte Unfall. Heute viel Polizei-Kram zu erledigen und so. Stand da. Na super, abemals ein Tag ohne neue Informationen für die Thesis, dachte ich. Ich blieb noch etwas. Hatte keinen Bock, mich wieder umzuziehen. Da kam dann ne neue Mail rein: Vielen Dank für Ihre Anfrage, würde natürlich gerne mit Ihnen über das Thema fachsimpeln. Sagen Sie mir, wann Sie Zeit haben und ich hole Sie ab. Stand da. Ich antwortete: Jetzt. Kein Problem, aber so kurzfristig sollte ich vielleicht doch ein Taxi nehmen. Kurz auf die Karte geguckt. Bin ich denn bekloppt? So weit? Das würde mich doch ein Vermögen kosten! Ich fuhr mit der U-Bahn. Von da wurde ich dann aber abgeholt.
Die Firma ist ein Druckmaschinenhersteller für Kleidungsetiketten. Stellt auch Maschinen her, die bequem in jede größere Handtasche passen und somit ideal für den Fälschermarkt sind. Die Druckqualität ist eingeschränkt, aber man erwartet ja auch nicht viel bei Kleidungsetiketten. Demnach läuft die Firma wohl sehr gut, exportiert viele Maschinen.
Ich sah trotzdem schnell ein, dass ich hier eigentlich nicht so viel lernen würde, hab trotzdem das Beste draus gemacht. Saß mit fünf Damen und Herren am Tisch bei 15 Grad, Klimaanlagenwindstärke 12 oder so und sprach über den Markt, die Probleme, von denen ich dachte, es gäbe sie nicht mehr und trank feinsten Tee und Import-Instant-Kaffee aus Vietnam. Gesprächsthemen gab es viele und beim kurzen Blick auf die Uhr viel uns auf: So, Feierabend. Bierchen? Jo. Und Essen. Ich liebe chinesische Geschäftsessen. Wenn ich mal groß bin, will ich das so oft wie möglich machen. Da wird ein Tisch aufgefahren, sondergleichen. Dazu darf man sich als Gast vorher den Tintenfisch aussuchen, der anschließend tot und kleingehackt wird, dazu gibt es Bier und die Kellnerinnen werden angemacht und ausgefragt, wie sie mich, den Ausländer denn wohl fänden. Also durchaus amüsant und lecker.
Anschließend werden wir im Luxusschlitten, also dem einer einheimischen Marke, in die Stadt gefahren. Chef hatte an derselben Uni Abschluss gemacht, an der wir letztes Jahr waren. So was verbindet. Er war durchaus gewillt, noch den einen oder anderen Humpen Bier mit mir zu heben. Aber da es zu früh war, ging’s erst mal zu ihm heim. An der Tür erwartete mich schon eine Tafel mit der Aufschrift „Herzlich Willkommen in meinem Heim!“. Die zehnjährige Tochter hat das mal schnell im Google Translater nachgeschaut und abgeschrieben. Das mag nach keiner großen Leistung klingen, ist es aber, wenn man bedenkt, dass man in China nicht mal englische Wörter richtig abschreiben kann, da man ‚i‘ und ‚l‘ nicht auseinander halten kann.
Aber die Tochter ist wohl ein sehr begabtes Kind. Oder sagen wir mal, ein erzogenes, gedrilltes Kind. Ihr Englisch ist absolut akzent- und fehlerfrei und das bei recht anspruchsvollen Gesprächsthemen. Seit sie fünf ist würde sie Englisch lernen. Selbst für fünf Jahre ist das verdammt gut, der Vater erzählt mir aber, dass sie doch erst mit sieben angefangen hätte. Umso beeindruckender. Sie hätte auch nur drei Tage Ferien. Im Jahr. Und jetzt jede Woche einen Englisch-Test. Zwischendurch stopfte sie mich immer mit Essen voll. Dann setzte sie sich ans Klavier und spielte irgendwas. Ich bin jetzt kein Musikkenner, aber ich würde sagen, der junge Beethoven hätte sich da bestimmt ne Scheibe abschneiden können.
Nun, erst als sie mir dann irgendeine total wirre Konstruktion aus Stühlen und Bällen zeigte, auf die sie sehr stolz war und was ein Auto darstellen sollte, war ich beruhigt, dass sie doch nur ein zehnjähriges Kind ist. Ein Kind ohne große Kindheit. Fiel ihr auch auf. Sie müsse jetzt kurz konzentriert mit ihren Puppen spielen, sagte sie mir, denn sie hätte ja nicht viel Zeit dafür. Armes, kluges Mädchen.
Dann ging’s durch die Bars. Chef und ich. Und ich hatte gar keine Wahl. Ich musste mich dem Gesetz fügen. Dem ungeschriebenen Gesetz, das da besagt, wenn Arbeiter auf Student trifft, zahlt stets der Geldverdienende. Und natürlich sollte ich trinken, was will. Aber mir reicht ja Bier. Nur Bier. Aber das kostet in Shanghai jetzt auch mal schnell seine 65 Yuan. Dass Chef die hat, machte er mir klar, als er sein Glas nach drei Schlucken fast voll zurückließ, weil ich etwas schneller mit trinken war und er in einen anderen Laden gehen wollte.
Um halb vier kam ich dann wieder im Hostel an. Allerdings ohne meine Magnetkarte, die als Schlüssel dient. Verloren oder geklaut. War mir egal. Mir wurde auch so das Zimmer geöffnet. Da schliefen schon alle Spanier. Alle halb nackt und ob der Hitze stöhnend. Bei geöffneten Fenstern und ausgeschalteter Klimaanlage kein Wunder. Dazu stank es nicht gerade angenehm. Den Grund dafür fand ich in einem Flies-Handtuch, das wohl irgendeiner der Kumpanen mal verschwitzt und nass in seinem Gepäck hinterlassen haben musste und nun die irrwitzige Idee hatte, es auszulüften, was aber überhaupt nichts brachte, da der Geruch eher Zellteilung beging, anstatt abzuziehen. Die Fernbedienung für die Klimaanlage fand ich auch nicht mehr. Hat bestimmt einer drauf gepennt.
Na herrlich. So ein heißer, stickiger Raum ist natürlich genau das richtige für einen Biergetränkten Körper. Ich gratulierte mir noch kurz zu dieser Selbstzerstörung und schlief ein.
Jetzt sitze ich hier auf dem Bett und weiß mit mir nicht mehr viel anzufangen. Die Spanier sind ausgezogen und haben zum Glück das Handtuch mitgenommen und die Fernbedienung für die Klima zurück auf den Tisch gelegt. Davor haben sie aber so lange zum Packen gebraucht, als würden sie ihren Hausrat auflösen. Und gelabert haben sie dabei ohne Unterlass. Und das mit ihren quakenden Spanierstimmen.
Naja, immerhin habe ich über die Nacht meine Erkältung fast gänzlich ausgeschwitzt.
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