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Mirko #2.9

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Mirko #2.9

Monday, 23 August 2010 15:52 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00)

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China #2.9 Hostel Nights.

Hostels mit Mehrbettzimmern haben einige Vor-, bieten aber auch einige Nachteile.
Zu den Vorteilen zählen mit Sicherheit der Preis, der ganz unten anzusiedeln ist, und die Tatsache, dass immer irgendjemand da ist, der potenziell was mit einem unternimmt, wenn man denn will.
Auf der anderen Seite lernen einen aber auch verdammt viele Leute kennen. Oder wollen das. Und immer und immer wieder muss man seine gleiche Story erzählen: Woher komme ich, was mache ich hier, wie lange bleibe ich und warum kann ich Chinesisch. Kotzt mich langsam an, immer die gleiche Leier runterzurattern, aber ich selber bin ja auch nicht besser. Dennoch werde ich mir beizeiten wohl eine neue Identität zulegen. Eine spannendere. Die ich noch mit Leidenschaft erzähle.
Ein weiterer Nachteil ist, dass man nur selten zur Ruhe findet. So wie gestern. Hier das Protokoll. (Zeiten sind nicht ganz exakt, aber +/- 10 Minuten)

00h30: Ich lege mich hin.

01h00: Da ich nicht müde bin, schlaf ich wohl jetzt erst ein.

01h17: Jemand stupst mich an. Flüstert. Kichert. Frauen. Ob ich noch mit will in nen Club, werde ich gefragt. Mein Zimmergenosse wär auch mit von der Partie. Nein.

01h33: Ich schlafe wieder ein.

02h17: Ein anderer Zimmergenosse kommt von seinen Aktivitäten wieder. Macht das Licht ganz an. Braucht etwas, bis er sein Bett gemacht hat. Ich wache abermals auf.

02h28: Ich schlafe wieder ein.

03h18: Die Damen und mein Zimmergenosse hatten wohl nicht so viel Spaß. Wollen sie jetzt nachholen. Kichernd.

03h27: Ich schlafe wieder ein.

04h45: Der erste Wecker klingelt. Der Chinese, der tagsüber meistens pennt und auf den jeder Rücksicht nimmt, hält selber nichts von solcher Rücksicht. Muss noch seinen Koffer packen, bevor er abhaut. Licht an. Koffer laut polternd aus den Schrank ziehend. Schrank liegt direkt an meinem Bett. Ich nehme alle Vibrationen wahr. Schaukeln mich nicht in den Schlaf.

05h20: Der Chinese ist fertig. Oder nicht? Er kommt noch ein paar mal rein. Türgriffe sind ein Fremdwort. Sie knallt bei jedem Mal. Darüberhinaus ist das Schloss für die Magnetkarte laut und das Piepen schrill.

05h23: Ich schlafe wieder ein.

05h50: Der Franzose muss auch raus. Der Franzose mit der sanften Stimme. Kann mit jedem und redet gerne des Redens wegen. Und wegen seiner Stimme. Zog nämlich durch China, um als Musikstar rauszukommen. Nicht geklappt. Jetzt redet er vorm ersten Hahnenschrei mit einem anderen Kumpanen, der auch raus muss. Wie wohl das Wetter heute in Beijing ist, fragen sie sich. Ist eigentlich egal, denn der eine muss nach Paris und der andere nach Thailand. Innige Verabschiedung der beiden. Natürlich bliebe man im Kontakt. Die Emailadressen hat man ja. Wer's glaubt.

06h20: Der Franzose ist weg. Ich schlafe wieder ein.

07h30: Tonne betritt das Zimmer. Tonne ist neu. Tonnes Hobbies sind Schwitzen und Schnauben. Ich schlage die Augen erst nur halb auf und dann ganz. Ich sehe nicht verschwommen. Tonne dürfte wirklich über 150 kg verfügen, verteilt auf genauso viele Zentimeter an Körpergröße. Ich mache die Augen anschließend noch ein paar mal auf. Aber nur, um mich zu vergewissern, dass er im Stockbett unten schläft. Tonne bemerkt, dass sein Bett noch nicht gemacht ist. Er schmeißt seinen Rucksack in die Ecke, flucht irgendwas in seine Pausbäckchen und macht sich stampfend vom Acker.

07h35: Ich schlafe wieder ein.

08h15: Der Neuseeländer verschwindet auch. Der frühe Wurm fängt den Vogel ganz vorne in der Schlange vorm Expo-Pavillion oder so.

08h25: Ich schlafe wieder ein.

09h05: Die Tanten von der Putzkolonne kommen rein. Hocken zwar den ganzen Tag aufeinander, dennoch geht ihr Gesprächsbedarf nie aus. Zimmerputzen ist Akkordarbeit. Geht schnell, ist aber auch laut.

09h28: Bevor ich ein letztes Mal einschlafe, blicke ich auf die Uhr. Noch zwei Minuten. Dann klingelt auch mein Wecker.

09h30: Ich setze mich ungewollt auf die Hassliste des letzten schlafenden Zimmerkumpanens. Der soll sich mal nicht so anstellen.

_____


Diese Nacht ging meinem ersten "Geschäftstermin" voraus. Zwecks Thesis treffe ich mich hier mit einer Organisation. Und eben die Managerin dieser Organisation treffe ich.
Sie ist zum Glück nur geringfügig älter als ich, hatte gestern eine Party bis vier und wir können uns beide nur zu gut verstehen. Zudem ist sie nicht minder schön als ich. Mein lieber Scholli!

Beeindrucken kann ich sie übrigens nicht nur mit meinem Wissen, sondern auch mit einem Magen, der sich gewaschen hat. Gewaschen mit Waschbeton. Da zuckt nichts mehr. Da kommt auch nichts mehr durch. Ganz fabelhaft. Kabine 3 ist beinahe vergessen.

Sonntag, 22. August 2010

China #2.8 The Bund is open! Und Frisör! Und Kabine 1!

Gestern fühlte ich mich erstmals wieder etwas in der Lage, das Hotel auch tagsüber zu verlassen. Die sengende Sonne konnte meinem Magen nur leicht etwas anhaben, da dieser durch eine gute Pizza gesättigt war und erst mal wieder was zu tun hatte. Das soll aber nicht heißen, dass es ihm besser ging. In Kabine 3 fühlte er sich noch am wohlsten.
Dennoch ging ich vor die Tür um endlich einen Frisör aufzusuchen. War eigentlich mein Ziel für den ersten Tag, aber ich hab's dann immer wieder verschoben. Ich musste lange suchen, denn hier in der Nähe von Bund und Haupteinkaufsstraße sollten die Mieten höher sein, ggf zu hoch für einen Frisör. Aber ich fand ihn. Ein Blick durchs Fenster bereitete mir zunächst einen Schrecken: Fast alle Stühle waren besetzt, aber nur eine Person wurd gerade bedient. Schien ein In-Frisör zu sein mit nur einem Meister. Und den obligatorischen Empfangs- und Kassendamen natürlich. Ich ging auch nur kurz rein um zu fragen, wie viele Stunden ich wohl warten müsste, was auf Unverständnis stieß. Sofort wurde mir ein Platz zugewiesen und irgendwas durch den Lautsprecher ausgerufen. Alle Gäste standen dann auf und erwiesen sich dank einheitlichen Namensschilds als Frisöre. Aus 11 Kunden wurden somit 11 Arbeitnehmer. Aus den In-Frisör einer ohne Beschäftigung. Mir sollte es egal sein.
Endlich wieder Kopf-Massage, Ohrenspühlung, Spa für die Augen und 45 Minuten Zeit für mich und meinen Meister, der mit einer Liebe und Hingabe Millimeter für Millimeter meiner Haare bearbeitete. Nach einer Stunde ging ich um drei Euro leichter wieder auf die Straße.

Abends ging's dann mal zum Bund. Das ist die Uferprommenade mit Blick auf die berühmte Skyline Shanghais. Letztes jahr war's noch eine reine dreckige, lärmende Baustelle, abgegrenzt durch eine enge, dichtbefahrene Straße, nur erreichbar durch eine Unterführung. Und hinter der Unterführung war maximal ein Terrain von 5x5 Metern frei, was natürlich die Massen nicht wussten oder nicht wissen wollten, trotzdem dauernd Postkarten-Verkäufer darauf hinwiesen. Kurz: Der Bund war letztes Jahr noch ein Ort des Grauens.
Nun nicht mehr. Nun ist es da ganz und gar edel. Selbst die Straße davor ist großzügig und glänzt. Und Postkartenverkäufer gibt es auch keine mehr, da ja jeder selber sein Foto schießen kann. Man wird also nicht mehr vollgelabert. Allerdings sind eie Massen noch fast die gleichen, sodass jeder, der ein wenig Gefühl für Fotographie hat, sich hier nicht ablichten würde. Aber das haben die Chinesen größtenteils nicht. Die fotographieren alles. Und ein paar Menschen mehr auf dem Bild, die eigentlich alles wichtige verdecken, machen da auch nichts.

Heute erwache ich mit dem gleichen Druck der letzten Tage. Ich will zu Kabine 3. Ich betrete sie auch, drehe aber schleunigst wieder um. Die hat ja jemand anders benutzt. Und beschmutzt. Pfui! 30 Mal hat sie mich ausgehalten und war stets tadellos und jetzt kommt irgendein Schmutzfink daher und nimmt sie mir. Kabine 1 ist frei. Aber Kabine 1 ist nunmal nicht Kabine 3. Sie ist ganz außen und grenzt rechts an die Außenwand. Dadurch kommt es zu einem Drittel weniger Belüftung was bei den Klos, auf denen eh schon Außentemperatur herrscht, tödlich ist. Es muss also etwas passieren! Ich habe keine Lust mehr auf den Unfug und diese unsichtbaren Fußfesseln.
Der Franzose im Hostel gibt mir dann mal Tabletten. Brecher sind das, denn bis zum Aben bin ich kabinenfrei. Mehr noch: Das erste Mal seit fünf Tagen drück wieder die Blase! Ein unglaublich normales Gefühl.
Morgen kann ich dann höchstwahrscheinlich in ein neues Leben starten.
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