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ahja

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ahja

Saturday, 24 October 2009 09:56 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00)

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Tag 237: Albtraum.

Heute erwache ich schon viel zu früh, denn ich habe einen Albtraum. Ich träume, wir sitzen im Chinesisch-Unterricht, alles läuft gut, jeder ist glücklich und dann werden langsam die Vokabel-Teste verteilt. Und ich sehe schon von weitem, dass weitaus mehr rot angestrichen ist, als nur die drei Ziffern, die 1, die 0 und die 0. Zwei Fehler, 95 Punkte. Ein Disaster. Ein Albtraum. Ich erwache. Stehe senkrecht im Bett. Schweißüberströmt. Es ist gerade hell geworden. Und ich muss noch ein paar Stunden ruhen. Die Vorlesung beginnt erst um neun.
Kein Wunder, dass ich es besonders eilig habe, zur Vorlesung zu kommen. Dort angekommen werde ich aber beruhigt. Wieder 100 Punkte. Ich glaube, man träumt häufig nur von Dingen und Momenten, die auf keinen Fall eintreffen können.
Anschließend sind wir so voller Tatendrang, dass wir einen Putztag starten. Und wir putzen alles. Unsere jeweiligen Zimmer, das Wohnzimmer und vor allem die Küche. Dort warten viele leere Dosen darauf, ausgespült zu werden. Und noch mehr Geschirr. Und die Mikrowelle, die Denis schon gar nicht mehr anrührt, weil da scheinbar einst ein ganzes Paket Butter drin gelagert wurde, der Fettmenge nach zu urteilen. Zwei Stunden, dann sind wir fertig. Schön sieht es aus. Aber an den Hall, den eine leere, saubere Wohnung beschert, muss ich mich erst noch gewöhnen.
Dann haben wir endlich wieder chinesische Kultur. Professorin Ai bringt uns was über die Peking-Oper bei. Schrecklich, die Filme, die sie uns zeigt. Peking-Oper, verpixelte Filme, schlechter Klang aus den Lautsprechern. Aber wahrscheinlich können auch gute Lautsprecher das schrille Gejammer der Peking-Oper nicht in etwas für westliche Ohren angemessene Klänge verwandeln.
Taekwondo fällt heute Abend aus, warum gehen wir also nicht einfach mal wieder steil? Schließlich haut Thomas übermorgen schon ab. Nach einem Besuch beim Frisör, der im Dorf nur 8 Yuan kostet (80 Eurocent), allerdings neben einigen Menschen noch viele Fliegen als Besucher hat (ich zähle während des Haarewaschens 38 Geschöpfe an der Decke) und deren Meister viel Sicherheitsabstand nehmen um dann mit einer Ausdünnschere mit nur einer Hand hektisch und unkoordiniert an einem herumschnibbeln, verhaften wir schon im Zechuan-Restaurant das ein oder andere Bier und die leeren Flaschen bilden am Ende ein gleichseitiges Dreieck, ich vermag aber nicht zu erzählen, wie viele Flaschen eine Seite bilden (der Besitzer pflichtet uns bei, dass wir sehr stark seien)I. Jedenfalls bin ich sehr stolz auf uns, dass wir die Formel zum Ausrechnen der Menge, wenn nur die Länge der Seiten bekannt ist, selber herauszufinden. Wir landen schon wieder im 1+1. Ist heute weniger von Kotzbrocken besucht. Dafür mit viel mehr Menschen, denn unsere Jacken können wir nicht abgeben und einen Sofa-Platz bekommen wir auch erst sehr spät. Und wir bleiben auch nicht so lange, morgen ist schließlich Vorlesung. Um zehn. Und da darf man nur dreimal fehlen. Ich habe noch nie gefehlt. Aber Denis. Schon zweimal. Und der will da nichts riskieren. Muss ja auch nicht.

Tag 236: Schwänzer!

Ich habe einen Grund, heute nicht um sieben aufzustehen, denn zwei Stunden Schlaf reichen nicht, sagt der Doktor und auch meine Mama. Dennoch bin ich zu besagter Stunde etwas hellhörig und frage mich, warum niemand an unsere Tür klopft oder Lukas mal was sagt. Nun, ich wundere mich nicht wirklich. Mir ist es gleichgültig, ich bin gewissermaßen froh, mal nicht gestört zu werden.
Die Ungestörtheit reicht bis zehn. Dann werde ich von Jiang Lei angerufen. Ich geh aber nicht ran, ist vielleicht besser so. Etwas später kommt die SMS. "Warum wart ihr schon wieder nicht bei der neuen Vorlesung?". Weiß nicht, warum die anderen noch nicht da waren. Wahrscheinlich waren sie bei BWL, das sich diese Woche noch mit Drucktechnik überschneidet. Ja, das klingt plausibel. Nun gut, wir sind angehalten, nächste Woche auf jeden Fall vorbeizuschauen, dann machen wir mit dem Prof einen Nachhol-Termin aus. Manchmal glaube ich, ich bin wieder in der Schule. Aber gut, nächste Woche sollte das klappen, da ist Thomas ja auch nicht mehr da.
Die Nachmittagsvorlesung ist auch etwas verkürzt und Lukas und ich einigen uns auf einen Putztag. Ist mal wieder Zeit. Das Geschirr stapelt sich im Waschbecken und leere Bierdosen von vor ein paar Wochen blockieren Wohnzimmertisch und Sofa. Außerdem gleicht der eigentlich weiße Boden einer Mamorplatte, gut schwarzgesprenkelt.
Aber irgendwie kommen wir darüber hinweg. Es ist auch schon sieben, wir gehen zu Jojos Kalligraphie-Kurs und müssen ihn danach anschnauzen, dass wir keine Theorie wollen, sondern praktisch mit dem Pinsel hantieren. Er entschuldigt sich, aber es ist nicht seine Schuld, sondern die der Kommilitonen. Die finden nämlich in Xi'an anscheinend keine Pinsel. Schwache Ausrede. Da war meine heute morgen eindeutig besser.

Tag 235: Kotzladen.

Heute geht alles ganz fix. Erst geht es zur Vorlesung, wir schreiben einen Vokabeltest und Lukas hält einen Vortrag, dann fahren wir beide zusammen mit Hanna und Cathrin zum alten Campus, wir haben Labor. Oberflächenspannung. Interessant, hatten wir aber schonmal im letzten Semester in Deutschland, nichts neues. Damals gab es aber für zwei Menschen dreißig Versuchsflüssigkeiten. Heute für 20 Leute ganze fünf. Einen Bericht müssen wir dafür noch schreiben. Unspannend. Aber wir müssen ja nur den damaligen Bericht übersetzen, sollte klappen.
Dann ist es Mittag. Eine leicht verdauliche Nudelspeise soll langen, da ich seit den Ferien erstaunlicherweise sehr zugenommen habe, bin mittlerweile wieder beim Ausgangsgewicht, und außerdem haben wir ein Fußballspiel, Institutsmannschaft gegen anderes Institut, also fallen für Lukas, Denis und mich die Nachmittagsvorlesungen flach, sogar legalerweise.
Das Spiel ist unkoordiniert und wir verlieren. Das kennen wir ja langsam, allerdings präsentieren wir das heute einem großen Publikum auf der Tribüne, die mit einer großen Trommel bewaffnet sind und ständig "加油" ("füge Öl hinzu") rufen. In einer Tour. Aber nur für die Gegnermannschaft. Das kotzt an, vor allem wenn das Spiel nicht läuft und die Fans hauptsächlich komisch kreischende Frauen sind, deren Stimme verboten gehört. Beinahe dräsch ich den Ball auf die Tribüne, entsinne mich aber meines Sportgeistes und höre nicht weiterhin. Insgeheim bereuhe ich es aber, Fräulein Ais Unterricht ausfallen lassen zu müssen.
Nach dem Spiel sind wir eigentlich müde, aber wir müssen noch essen. Und wir haben von einem guten Italiener in der Stadt gehört. Da fressen wir uns so richtig voll: Ein Salat reicht schon, um -J-, unsere Koreanerin, satt zu bekommen, dient für uns aber nur als Vorspeise. Es folgen nämlich noch eine große Pizza und eine Lasagne, das ganze in gediegener Atmosphäre.
Mit gespanntem Magen könnte ich jetzt eigentlich schlafen gehen, aber ein Absacker wär auch nicht schlecht. Also ist Bambis Hostelbar mal wieder angebracht. Sie freut sich auch, uns zu sehen. Nun aber ins Bett. Oder auch nicht? Nein, nicht für mich. Schließlich ist noch Thomas, Denis' Kumpel (der die letzten Wochen immer dabei war, aber nie erwähnt wurde) da und der verlebt seine letzte Woche. Und wir wollen unseren Gästen doch was bieten, aufdass sie uns weiterempfehlen und wir noch viel mehr Besuch empfangen. Und Thomas ist nimmermüde, zumal er jeden Tag ausschlafen kann. Jo, dann geht es halt ins 1+1. Es ist Montag, jede normale deutsche Disco hätte geschlossen, hier aber natürlich nicht. Denn eine Menge Leute scheinen am Dienstag frei zu haben. Eine Menge Kotzbrocken. Denn wann immer ich heute auf's Klo gehe: Entweder steht vor mir in der Schlange eine Dame, die es nicht mehr aushalten kann und auf den Boden kotzt, oder ich betrete meine Kabine und muss auf meine Schuhe achten, um nicht in das halbverdaute Essen zu stampfen. Das ist mir aber egal. Ich bin es langsam gewohnt, dass irgendwo Körperexkremente rumliegen. Die mögen zwar stinken, aber ich rieche sie nicht mehr. Sie gehören nunmal zum Leben und sind nur menschlich, nehme ich an. Trotz nicht zu schöner Erlebnisse bleiben wir heute viel zu lange. Aber wenigstens haben wir dem Thomas was geboten.
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