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socialising

Monday, 11 October 2010 19:00 | Last Updated (Monday, 11 October 2010 19:27) | Written by Philipp

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Socialising - genau darum geht es in den ersten Wochen hier in England...

Konkret übersetzt geht es darum neue Freunde, Clubs und Trinkkumpanen zu finden. Um auch dem letzten Kommunikationsmuffel jede Menge Gelegenheiten aufzuzeigen neue Freunde zu finden, gibt es hier eine ganze Woche Zeit. In dieser Woche finden neben dem ganzen organisatorischem kram auch jede Menge Themenabende in den Wohnheimbars statt oder alle nur erdenklichen Clubs der Uni haben ihren Stand aufgebaut. 

Was es da gibt ist wirklich unglaublich: wir haben einen Schlossknacker-Club, einen Tontauben-schuss-Club, einen Legoclub, einen Japan-Club, einen Chinesen-Club, einen Asien-Club, einen Deutsch-Club (hehe), einen Wiskey-Probier-Club, einen Photographie-Club, einen Armee-Spiel-Club, einen Tanz-Club, einen Bible-Club, einen Buddah-Club, einen Videospiele-Club, einen Abnehm-Club, einen Botanik-Club, einen Bauchtanz-Club, einen Poker-Club... und viele mehr, 

dazu gesellen sich die Sportarten: 

Fußball, Football, Volleyball, Hockey, Polo, Korfball, Wakeboard, Surfing, Snowboard & Ski, Rugby, Cricket, Horse-Riding, Cheerleading, Basketball, Airsoft, Mountainbiking, der Pistolen- und Gewehr-Club, Kungfu, Aikido, Jiutsu, Golf, Badminton, Squash... auch die zähl ich besser nicht alle auf...

Wer jetzt immernoch in seinem Zimmer rumhängt ist dann wiklich selber schuld, nebenbei gibt es auch noch jeden Donnerstag Karaoke und jeden Dienstag eine Comedy-Night mit englischen Rednern...

Einzig und allein dürfte die Auswahl schwerfallen, was man nun belegen will, denn alles geht nun wirklich nicht. 

Ich schau mir mal ein paar Sachen an und berichte wem oder was ich beigetreten bin... sodenn...

 

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Ausländer und Europäer und Chinesen

Wednesday, 06 October 2010 18:11 | Last Updated (Wednesday, 06 October 2010 21:12) | Written by Philipp

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So der erste Tag am "Department" wäre geschafft und nachdem mir das schon die letzten Tage öffter aufgefallen war, muss man mal kurz beschreiben wer hier mit Europäer gemeint ist.

In England scheint es so zu sein das wenn von "Europeans" gesprochen wird, in der Regel das Festland gemeint ist. Ich bin mir nicht sicher was man von Südirland hält aber, beim Rest handelt es sich definitiv nicht um England sondern den Rest, egal ob wir von der EU oder dem Kontinent reden.

Äußerst interessant gestaltete sich der erste Tag an der Uni weil in den 3 Kursen die hier miteinander zu tun haben: Book Design, Typografie und Information Design (letzteren mache ich), von insgesamt nur 40 Studenten ganze 4 Engländer/ Briten auszumachen waren. Das ist doch mal ne Quote! Und da ja die Briten sich selbst zumindest im Sprachgebrauch, wenn auch unbewusst, vom Rest abgrenzen kann man sagen das Department ist fest in Europäischer Hand. 

Kommen wir noch kurz zu den Chinesen. 

Die Chinesen leben hier in größerer Zahl, und weil ich gestern einen von den Vielenin seiner Landessprache begrüßte wurde ich prompt zum Abendessen zwischen 5 seiner Freunde (auch aus China) eingeladen. Auch die anderen waren natürlich mehr als überrascht von meinen Sprachkenntnissen und endlich nach 7 Monaten gab es mal wieder authentischen chinesisches Essen. Da mein Flurnachbar mir versprochen hat das Kochen auf chinesisch beizubringen bin ich guter Dinge dass ich noch öfter in den Genuss kommen werde. 

 Soweit sogut...

 

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Fast 4 Jahre Arbeit für 3 min Erfolg, Zeugnis, Parties und Flughafen-Empfangs-Komitees

Monday, 04 October 2010 13:03 | Last Updated (Monday, 04 October 2010 16:42) | Written by Philipp

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Es ist soweit,

ich habe mein Masterstudium in England begonnen, naja bin zumindest dabei es zu beginnen. Nach einer Woche nervenaufreibenden Diskussionen wann ich denn endlich mein Bachelor-Zeugnis bekomme, konnte ich dies ca. 18 Stunden vor Abflug nach England in den Händen halten. In der Tat hat das erreichen des ersten Abschlussen mich alles in allem fast 4 Jahre meines Lebens gekostet. Angekommen im Sekretariat meiner neuen Hochschule wurde dies auch entsprechend gewürdigt. 

Ah ok ihr Zeugnis, moment da mach ich mir ne Kopie, Note passt auch (besser als 2,5), schön dass sie hier sind – danke und tschüss!

Das war es! Für die fälschungsicheren Orgninale mit Wasserzeichen, Leuchtfarbe und Zauberkreide... schien man sich nicht sonderlich zu interessieren, die Kopie mit lustigen Stempel drunter war viel interessanter und warscheinlich hätte auch ein fachgerecht gestempeltes Butterbrotpapier zum Einschreiben ausgereicht. 

Jetzt aber nochmal zurück zu dem wie es hier losging.

Heathrow Samstag morgen um 8 Uhr. Der Flughafen, weltweit bekannt für sein ich suche mit dem Flieger-ne-Parklücke-System, zeigte seine Unfähigkeit wieder in gewohnter Pracht. Los gehts beim Kofferabholen, denn die Anzeigetafel mit dem korrekten Kofferband ist am anderen Ende der Halle und nicht dort wo die Passergiere ankommen.

Weiter ging es zu dem Busterminal zu meiner neuen Heimat nach Reading. 2 Aufzüge führten hinauf, eine Treppe weit und breit nicht in sich, der Stau an den Liften also vorprogrammiert. Oben angekommen war Wiedergutmachung für das Chaossystem angesagt, denn direkt neben der Tür strahlte mir ein Student mit dem Schild "University of Reading" entgegen. Kleiner Sprachexkurs vorab für alle die mich mal besuchen wollen, es heißt nicht "reading" wie "lesen" sondern "reading" also gesprochen wie Edding mit nem "R" davor. 

In Reading wiederum warteten nochmehr Studenten die mir dann ein Taxi zur Weiterfahrt empfohlen und am Wohnheim dann wieder Studenten...

 

Angekommen im Wohnheim:

Ich dachte ja nach China wundert man sich über garnichts mehr, aber da irrt man. 

Mein Türschloss geht wenn man es zuschließt auf und wenn man es aufschließt zu - warscheinlich irgentwas mit Linksgewinde wer weiß...

Mein Waschbecken besitzt gleich 2 Wasserhähne, einen mit Warm- und einen mit Kaltwasser, Mischbatterien sind hier wohl nicht üblich. 

Die Klospülung hat ich bisher nicht so ganz durchschaut, denn sie arbeitet nach dem System 10 mal drücken, einmal spülen. 

Soviel zur Ausstattung, viel wichtiger ist aber ohnehin die Wohnheim-Bar die gestern zum Willkommensdrink einlud und

damit der internationalen Völkerverständigung beitrug.

Man kann es garnicht genug würdigen, dass man mit der Chinesischen Sprache automatisch 1,6 Milliarden Freunde gewonnen hat, die man auf dem ganzen Globus wiederfindet, so gab es dutzende die ich gestern traf. Die anderen Nationen legten sich natürlich auch mächtig ins Zeug, naja zugegeben lernte ich nur noch eine Schwedin, eine Deutsche und eine Östereicherin kennen - aber mal kucken was noch so kommt. 

Auch die Engländer sind ein lustiges Völkchen, bewundern uns für unser Perfektes Bahnsystem, schnelle Autos und geschwindigkeitsbegrenzungsfreie Autobahnen. 

Soweit fürs erste, ich bin guter Dinge dass dieses Jahr lustig wird und heute Abend ist mal wieder Party in der Wohnheim-Bar... , bis die Tage

Philipp 

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China #2.14 In jedem Flieger sitzt ein weinendes Baby.

Monday, 04 October 2010 12:03 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Eine Aussage, an der es augenscheinlich nichts zu rütteln gibt. Und auch für Busfahrten trifft das zu. Ja, es ist ein Baby. Babys weinen. Aber das müssen sie doch nicht die ganze Zeit und aus lächerlichen Gründen wie Druckverlust, Luftlöcher, Schlaglöcher oder Vollbremsungen… Schlimmer als ein weinendes Baby ist dann aber noch die Mutter eines weinenden Babys. Denn die ist mit der Situation total überfordert und tut dann das, was man vielleicht nicht unbedingt tun sollte: Zurückschreien. Naja, iPod hilft da.
So geschehen ist es zum Beispiel auf dem Flug nach Chongqing. Chongqing ist geht so. Industriestadt mit steigender Bevölkerungszahl, in den Bergen am Yangze-Fluss gelegen und somit von der Fläche eingegrenzt, drum wird überall was dazwischen oder noch drauf gebaut, Luft ist schlecht und außerdem soll es ne Terroristenhochburg sein. Trotzdem gab’s ein paar schöne Ecken, wenn auch nicht so sauber. In einem Restaurant war das Klo besetzt. Von ner Ratte. Später begegnete mir das Vieh auch noch im Speisesaal. Ohne sich die Hände gewaschen zu haben…
Zwei Tage Chongqing reichten, dann ging’s mit dem Bus nach Langzhong, Minis Heimat. Langzhong hingegen ist sehr schön. An drei Seiten vom Fluss begrenzt, an der letzten von Bergen, wenige Hochbauten, gute Luft, kühleres Klima, Berge, Parks und so weiter. Die Mutter kümmerte sich vorbildlich um mich, Sorgen hatte ich absolut keine. Vormittags wurde man stets geweckt, da einige „Tanten“ (also Mitarbeiterinnen der Mutter) den „Mitarbeiter“ der Tochter (ich, offiziell) treffen wollten. Luden somit zum Essen ein. Meistens Feuertopf mit frischen Fischen aus dem Fluss. Sehr gut. Und nie bekam ich Magenprobleme, obwohl das bei Feuertopf eigentlich Tradition ist. Wenn neben den „Tanten“ auch noch „Onkel“ mit am Tisch saßen, wurde gebechert. Klar, der Deutsche trinkt ja gerne Bier. Und wenn es direkt nach dem Aufstehen ist. So gingen gerne mal innerhalb einer Stunde Essens 14 halbe Liter Humpen Bier weg, für 2,5 bis maximal 3 Trinker. Während die Onkel dann wieder mit dem Moped zur Arbeit fuhren, gab’s Sightseeing, abends luden abermals irgendwelche Tanten zu Speis und Trank. Es war eine sehr angenehme, unkomplizierte Woche, da die Thesis auch auf der Fahrt dorthin fertig geworden war, kam mit freiem Kopf endlich Urlaubsstimmung auf. Langzhong ist übrigens bekannt für seine Seide und für das tolle Trockenfleisch. Kein Wunder, dass anschließend mein Koffer mit Geschenken vollgepackt war.
Die Fahrt anschließend von Langzhong nach Chengdu, Hauptstadt Sichuans, war besonders toll. Das Busterminal stank schön stark nach Urin, nur der Mercedes-Bus, Geschenk von Kässbohrer an China, versprach von Außen, des Images wegen, viel. Aber Kässbohrer hatte noch ein paar Ersatzsitze mitgeliefert und die wurden artig zwischen die normalen Reihen geschustert, sodass der längste und dickste Mensch im Bus, ich, letztendlich in der engsten Reihe saß. Hinzu kam, dass der Sitz vor mir kaputt war und bei jedem Schlagloch die Lehne nach hinten sprang (also ein wenig, denn eigentlich wurde sie von meinem Knie gehalten) und hinter mir ein o.b. Baby saß. Das schrie nicht so sehr, hätte es aber mal. Denn die Mutter fühlte sich so darin bestärkt, dass ihre kläglichen Pfeifversuche das Kind beruhigten und ununterbrochen mit jedem Atemzug ein Zischen hervorbrachte. Nervtötend. Aber egal, iPod hilft und manchmal habe ich mich ihr angeschlossen. Weiterer Höhepunkt war natürlich die Lederimitation auf den Sitzen, die das Gesäß nur geringfügig atmen ließ und ich später in einer angenehm warmen Schweißbrühe saß. Die dreihundert Kilometer, runtergerissen in nur fünf Stunden, waren somit sehr wertvoll für das frisch aufgebaute Urlaubsfeeling.
Chengdu war wiederum geht so. Eigentlich toll, aber man hat alle Baustellenwerkzeuge aus Shanghai vom letzten Jahr importiert, so scheint es, denn einfach überall wurde gebaut; Straßen, Häuser, Parks, selbst unser Hostel. Dadurch sah man nicht nur deshalb so wenig, weil alles hinter Bauzäunen steckte, sondern auch, weil man kaum irgendwo hinkam. Mit dem Taxi haben wir eines nachmittags für drei Kilometer eine Stunde gebraucht, und das lange vor der Feierabendzeit.
Hätten wir es früher nach Chengdu geschafft, hätten wir bestimmt ein Angebot des Hostels, nach Tibet zu fahren, angenommen, aber so wurde die meiste Zeit mit Shopping und Ruhen verbracht.
Jetzt sitze ich in Dubai. Gerade gelandet, gleich geht’s weiter. Der Flug hierher war fantastisch, irgendwie wurde ich in die Business-Klasse versetzt. Hab mich zunächst wie ein Anfänger verhalten, als ich fragte, ob es noch eine zweite Reihe 10 gäbe. Hab dann auch gemerkt, dass jeder mich als Anfänger identifizieren konnte, weil bei meinem Sitz der weiße Kopf-Überzug plus die Flasche Wasser fehlten. Hab das Schamgefühl schnell mit ein paar Gläsern Schampus runtergespült, gefolgt von feinstem Wein. Roter. Gaumenschmaus. Blöd war nur die Italienerin neben mir, die die absolut bescheuerte Liebesromanze „Letters for Juliet“ gucken musste. Dreimal! Weil sie immer wieder eingeschlafen ist. Musste mir den Film einmal antun und selbst Mini als Frau fand ihn widerlich und übertrieben. Aber der Rotwein verhalf mir auch hier, aufkeimende Aggressionen ob dieser Bilder, zu denen ich jeden Dialog aufsagen könnte, zu unterdrücken. Das Essen war übrigens auch allererster Sahne!
Ein Baby hörte ich übrigens erst bei der Landung weinen. Irgendwo weiter hinten, in der Pöbelklasse.
So, Aufruf, ich soll zum Gate.
Macht’s gut, ihr Pappnasen!

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Rattenfänger & China #2.11 Expo

Friday, 10 September 2010 10:36 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

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Rattenfänger

Wenn ich in der letzten Woche nicht gerade unterwegs war zu irgendwelchen Firmen, habe ich an meiner Thesis gefeilt. Und das zumeist im Hostel, allerdings nicht in der Bar, weil ich da bestimmt was verzehren müsste und in Zeiten des Taifuns ist es da oben auch nicht so toll. Ich hab mich lieber unten, im Momicafé niedergelassen. Da ist es ruhig und die Kellnerin, die sich den ganzen Tag langweilt, kommt auch nicht dauernd mit der Getränkekarte, sondern ist froh, wenn ich alle paar Tage mal eine Kanne Tee bestelle und die dann immer wieder mit Wasser auffüllen lasse. Und mittags ist die Bude dann mal voll, weil sich dort noch eine Küche befindet, die Personal aus Geschäften der Nachbarschaft bewirtet. Und meistens dann auch mich.
Viel passierte da also nicht, bis Freitag. Da war helle Aufregung angesagt. Ein Mob aufgebrachter Männer, drei an der Zahl, bewaffnet mit Brettern, an deren Enden sich Nägel befanden, lief schreiend hin und her. Der Grund dafür war eine Ratte, die sich in die Küche geschlichen hatte und die der dicke Koch nicht fangen konnte. Der Mob donnerte also mit voller Gewalt die Prügel auf den Boden, verfehlte oft das Ziel, nur manchmal quiekte das arme Geschöpf auf, was mir den Hinweis gab, dass ein Treffer erzielt wurde. Dennoch gelang es der Ratte zunächst, sich unter die Klimaanlage zu verkriechen. Nun wurde auf diese eingehämmert, um mit dem entstehenden Krach das Vieh wieder rauszutreiben. Die Ratte unternahm einen letzten Versuch zur Flucht, wurde aber durch einen Schlag, der das Brett zum Bersten brachte, getroffen und konnte nur noch benommen weiterkriechen. Seines Prügels beraubt nutzte der Rattenfänger nun seinen Fuß. Mit einem gezielten Tritt ins Genick, dem ein einzelnes entsetzliches Quieken folgte, machte er der Ratte endgültig den Gar aus. Anschließend nutzte man das Endstück des zerbrochenen Schlägers, um mithilfe der Nägel den Rattenleichnam, der leicht deformiert aussah und dessen Körperhaltung selbst für eine Ratte nicht mehr gesund aussah, stolz an den Gästen vorbei in einen Raum zu transportieren, hinter dem sich für gutgläubige Menschen ein Mülleimer befindet. Ich sollte nicht erfahren, was wirklich darin passierte.
In Shanghai passierte also nicht mehr viel Spektakuläres. Ich wurde noch aufgeklärt, was es mit den ominösen Club-Freunden auf sich hat, die einem das Geld aus der Tasche ziehen; und zwar ist es jetzt Gang und Gebe, dass sich Leute dadurch ihr Geld verdienen, dass sie Kontakte zu Leuten aus einem Club haben und somit günstiger an die ziemlich teuren Getränke kommen. Diese organisieren dann alle paar Tage einen Abend, zu dem sie Leute aus der Party-Szene einladen, die dann einen festen Betrag zahlen, für den sie alleine kein Getränk bekämen. Sie kaufen dann jedoch nur von einem kleinen Teil des Gesamtbetrags Getränke, der Rest geht in die eigene Tasche und dient als Haupt- oder Nebeneinnahmequelle. Zahlen müssen nur die Männer, die Frauen kommen umsonst durch, sind dafür hübsch anzuschauen und ggf. zu mehr bereit. Emanzipation ist also noch nicht so.
Samstag und Sonntag waren wir in Hangzhou, da war ich letztes Jahr schon. Da gab’s dann auch mal wieder eine Bar nach meinem Geschmack: Kauf sechs Bier zu je zwei Euro und krieg sechs Bier geschenkt. Endlich wieder Bier und nicht nur viel grünem Eistee mit wenig Whisky, wenngleich das Bier seines Namens auch nicht so würdig war. Kopf machte es allemal.
Montag wollten wir nach Chongqing fliegen und zwar um 21h05 Ortszeit. Also eine Zeit, zu der man es eigentlich locker schaffen sollte. Zwar fuhr die U-Bahn über eine Stunde dahin, dennoch war noch über eine Stunde Zeit bis Abflug, also mindestens eine halbe, um vom Terminal 2-Eingang zum Schalter zu kommen. Dieser befand sich zwar am Ende des Terminals, aber in fünf Minuten wäre auch dieser erreicht. Auf dem Weg dorthin passierten wir die große Anzeige mit den Abflugzeiten. Ich kontrollierte kurz: 21h05 Uhr, China Southern Airlines nach Chongqing… passt, bis auf die Anzeige, dass Check-In in T1 sei. Flugnummer wirkte zwar etwas komisch, aber da es der einzige China Southern Flug um diese Zeit nach Chongqing war sollte das wohl passen. Aber jetzt könnte es schon kritischer werden mit der Zeit, also schnappte ich einen Gepäckwagen, verlagerte darauf beide Koffer plus die vier Handgepäckstücke plus Mini und rüber ging es im Eiltempo zu Terminal 1. Dort mussten wir auch wieder bis zum anderen Ende, am Schalter C, wie uns die elektrische Anzeige versicherte, sollten China Southern Kunden bedient werden. Aber an Schalter C wusste man nichts von China Southern. Erst nach Telefonaten merkte man, dass die Airline sich tatsächlich in den Flug mit eingekauft hatte, das aber nicht unser Flug sei, wir sollten bitte wieder rübergehen. Wir nahmen lieber den Bus, der auf unseren Wunsch auch sofort losfuhr. Am Schalter L in T2 angekommen wurde uns gesagt, dass das Boarding schon fast abgeschlossen sei, für uns gäbe es also keine Möglichkeit mehr. Ich kontrollierte nochmal die große Anzeige und da war tatsächlich kein anderer Flug angezeigt, als der von T1. Ich hätte ja mal fragen können, war die Antwort. Ja, hätte ich. Aber ich gebe mir trotzdem nur halb die Schuld.
Wir nahmen dann ein Hotel und hatten Glück, dass wir nach Mitternacht ein zweites Mal ins Internet gingen, denn plötzlich waren die Flüge für den Dienstag deutlich günstiger als zuvor und so mussten wir nicht wieder mit all unserem Gepäck in die Stadt fahren, um ein Zugticket zu kaufen, mit dem wir dann 40 Stunden unterwegs wären.
Am Dienstag waren wir dann noch pünktlicher am Flughafen und auch dieses Mal fehlte unsere Flugnummer auf der großen Anzeige. Nun gebe ich mir sogar noch weniger die Schuld für das gestrige Verpassen des Flugs, stattdessen setzte ich im Flugzeug sogleich eine Beschwerdemail an die Airline sowie den Flughafen auf. Mal schauen, was dabei rausspringt.
Die ollen Holzköpfe!

Mittwoch, 8. September 2010

China #2.11 Expo

Liebes Deutschland,
Eine schöne Balancity habt ihr dahin gestellt auf der Expo in Shanghai. Ich durfte sie auch von außen bewundern. Mit einer Freunde besuchte ich letzte Woche eben diese Expo, kauften ein Abend-Ticket, das von 17 bis 24 Uhr Gültigkeit besitzt und klapperten erst einige kleine Pavillons ab, bevor es in die schöne Balancity gehen sollte. Mit meinem deutschen Reisepass sollten die Schlangen an Menschen davor ja kein Hindernis darstellen. Als wir am Abend gegen halb neun ankamen, wurden wir leider bitter enttäuscht, aus einem kleinen, schlechtbeleuchteten Büro am VIP-Eingang (kaum zu glauben, dass ich einmal mit großen Erwartungen an einem solchen anklopfen würde) wurde mir nur gesagt, dass man schon geschlossen hätte, seit eineinhalb Stunden. Weil man dann auch die Schlange abschließt und so. Blöde Erklärung. Warum hat dann bitte die Expo so lange geöffnet, wenn die beliebten Pavillons schon früher schließen?
Aber gut, das akzeptierten wir also einfach mal und fanden das Restaurant nebenan. Deutsche Spezialität wurden angepriesen, die Kellnerschaft war Deutsch, also wollte ich meiner Freundin doch mal zeigen, wie das in Deutschland zugeht, was wir essen, wie die Service-Kräfte mit dem Kunden umgehen (nämlich sehr gut und zuvorkommend, wenn auch oft nur in der Theorie) und so weiter. Ich habe regelrecht davon geschwärmt, wie gegenseitiger Respekt zwischen Gast und Personal herrscht, nicht wie in China, wo man die Kellnerin herbeischreit und diese dann ehrfurchtsvoll, wenngleich mit einiger Gleichgültigkeit, das Essen auf den Tisch knallt.
Ich wurde bitter enttäuscht und war beschämt. Es fing damit an, dass ich nicht viel Zeit hatte, die Speisen auszuwählen, ich sollte Platz nehmen und bitte schnell bestellen, wär ja auch irgendwann Feierabend. Die angebotenen Gerichte hörten sich alle gut und typisch Deutsch an, die Preise waren es ebenso (also für Chinesen und auch Studenten wie mich recht hoch). Ich bestellte eine Spezialitäten-Platte, vier Fleischsorten waren drauf, sollte reichen für zwei, die nicht viel Energie in der Balancity verschwendet haben konnten und unter denen sich eine zierliche Chinesin befand, die mit unter 1,65 m und weniger als 48 kg nicht zu den größten Esserinnen zählt. Folglich fragte ich nach einem kleinen Zusatzteller. „Nein, kann ich leider nicht anbieten, unsere Chefin sieht das nicht so gerne“, erwiderte der Kellner. Ich war auch gewillt, ihm abzukaufen, dass ihm die Hände gebunden waren. Fünf Minuten später bekam ich meine Mahlzeit. Wurde bestimmt frisch zubereitet.
Bestimmt nicht. Ich glaube nicht mal, dass es frisch für mich auf dem Teller zusammengestellt wurde. Dazu fehlte es eindeutig an Hitze in Fleisch und Sauerkraut und auch die Bratwurst hatte ihre besten Zeiten, in denen sie noch knackig frisch war, hinter sich, nun war sie leicht verschrumpelt und recht trocken. Wenn ich eh nur Reste bekommen sollte, hätte man mir auch den Gefallen des gewünschten Tellers erfüllen können.
Mitten im Essen, dem ich zugestehen muss, dass es lecker gewesen sein muss, sofern heiß und frisch, wurde ich dann jäh unterbrochen. Von der anderen Seite wurde mir die Rechnung auf einem kleinen Tablett überreicht. Über den Preis müssen wir ja nicht reden, mir war ja schon vorher klar gewesen, dass es sich um eine Summe handeln würde, von der mir in China ein Zehntel locker reichen würde, um satt zu werden von einer heißen Speise. Ich guckte kurz auf das Blatt und aß weiter, bemerkte aber aus dem Augenwinkel, dass die Kellnerin nicht wich. Ich hob kurz den Kopf und fragte ironisch: „Jetzt? Während des Essens?“ Ihr Nicken beschwur in mir weitere Wut und Scham herauf. Sollte ich das Essen also noch kälter werden lassen? Und dann auch noch währenddessen die dreckigen Yuan-Scheine aus der Hose kramen? Der gute alte Knigge verlangt doch auch von mir, während die Mahlzeit auf dem Tisch steht, nicht auf die Toilette zu verschwinden. Und auch in China zahlt man entweder vor dem Essen oder anschließend, aber nicht währenddessen.
Also pulte ich das Geld aus den Taschen und knallte es ihr aufs Tablett, schien ja wichtig zu sein. Dann wurde aufgegessen. Und dann wurde gewartet. Zehn Minuten. Ich befürchtete schon, weder Rechnung, noch Wechselgeld zu bekommen. Denn Trinkgeld wollte ich eigentlich keines dalassen nach dieser Leistung, zudem konnte ich jetzt nicht entscheiden, welcher der drei verschiedenen Kellner und Kellnerinnen sich letztendlich am wenigsten schlecht verhalten hatte. Aber es kam dann doch noch, wenngleich weniger gerne, wie die Rechnung zuvor.
Wir konnten also den Platz der Schande verlassen, nicht aber, ohne einen weiteren Tritt ins Fettnäpfchen mitzubekommen. Diesen beging dann die Chefin, zumindest nehme ich an, dass sie es war, trug sie doch als einzige ein rotes Oberteil, als sie mitten im Raum eine Kellnerin im Raum zur Sau machte, weil diese lieber zunächst einen Tisch einrichtete, als Rechnungen zu verteilen. Meine Freundin fragte mich, ob sie das nun richtig verstanden hatte. Denn in China geht so was nicht, das hat etwas mit Gesicht verlieren und bewahren zu tun. Wenn ein Chef unzufrieden ist, wird das hinter verschlossenen Türen besprochen und nicht lautstark vor Kundschaft.
Liebes Deutschland, auch ich bin es, der indirekt von den Einnahmen aus der Touristenbranche profitiert. Und ich bin auch gewillt, im Ausland einen guten Eindruck zu hinterlassen, damit potenzielle Touristen sich für Deutschland interessieren und auch entscheiden. Mit einem solchen Auftritt in einem Land, das über so viele potenzielle Neureiche verfügt, werden meine Bemühungen jedoch bedeutungslos gemacht.
Das finde ich sehr schade und ich bin sehr verärgert darüber. Vielleicht denkt man in Zukunft etwas darüber nach und schickt Service-Kräfte auf solche Veranstaltungen, die sich als solche bezeichnen dürfen und sich ihrer Rolle als Botschafter bewusst sind.
Viel Erfolg dabei!

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