Joom!Fish config error: Default language is inactive!
 
Please check configuration, try to use first active language

Willkommen auf der Startseite

Willkommen auf der Startseite

Attention: open in a new window. PDFPrintE-mail

#014: 18.03. – 20.03.: „Die Internetzensur geht in die nächste Runde.“

Friday, 25 March 2011 23:20 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

There are no translations available.

Leicht habe ich es hier bisher nicht. Wie ich bereits öfters verdeutlichte, steht man hier nicht so auf den leichten Weg sondern ist gewillt, diesen immer wieder mit neuen Steine zu verbauen. So ist es hier auch mit dem Internet. Es dauerte zunächst eine Ewigkeit, bis wir es mal hatten. Da bezahlt man für das ganze Jahr im Voraus und muss dann eigentlich nur noch auf den Techniker warten. Dieser kam dann aber nicht wie verabredet zwei Stunden später, oder, wie später verabredet, am nächsten Tag, oder wie daraufhin verabredet am übernächsten Tag und auch nicht, wie wiederum abgesprochen am Wochenende danach, sondern erst irgendwann, als Spätzle mit etwas deutlicheren Worten hinterhertelefonierte. Und dann kam der auch noch recht ungewaschen und riechend, aber das ist eine andere Geschichte. Die Installation erwies sich auch als etwas schwieriger, weil man dieses und jenes einstellen musste und auch noch ein Programm namens Dr.Com runterladen musste und so weiter. Und wenn der Techniker dann auch noch auf Knöpfe drückt, die er nicht versteht, weil sie auf Deutsch sind, dann blockiert die Firewall zu allem Überfluss auch gerne noch mal eben jenes Programm. Aber gut, wir haben es geschafft. Internet.

Nicht, dass man nicht auch mal ohne könnte, aber ich habe eine Leserschaft, die wartet. Da Blogspot hier nun blockiert wird, habe ich mit OpenVPN vorgesorgt. Für die Unwissenden: OpenVPN buddelt quasi kurz hinter dem Eingang des Internets einen Tunnel nach Deutschland, um von dort das Internet meiner Hochschule zu besteigen. Dadurch ist das ein wenig langsamer, aber man kann immerhin all die verbotenen Seiten wieder betreten. Cooler Trick und auch gerne von Chinesen genutzt.

Da ist man in der Regierung aber scheinbar im letzten Jahr mal hinter gekommen. Drum schnappte man sich einen Informatiker, der dieses Dr.Com schrieb. Und zur Nutzung dieses Programms sind jetzt scheinbar die Universitäten gezwungen. Dr.Com macht dann nichts anderes, als den von OpenVPN gegrabenen Tunnel binnen weniger Sekunden wieder zuzuschütten und gegebenenfalls auch mal das Internet abzuschalten. Das ist zumindest das, von dem ich bisher weiß. Vielleicht liest es auch noch andere Daten aus, das weiß ich nicht.

Aber es ist schon ein cleverer Zug, denn so hat man leicht die gebildetere Schicht unter Kontrolle gebracht, sodass nicht gerade viele etwas über Gaddafi oder sonstige Aufstände erfahren können.

Der Inga, eine Dame von der Bosch-Stiftung, die hier Chinesisch lehrt und schräg über uns wohnt, ist dieses Programm jedoch gänzlich unbekannt, da sie, wie wir herausfinden, über einen Lehrer-Account verfügt. Diesen hätten wir dann doch auch gerne, sodass ich mich mit Spätzle beim Internetanbieter wiederfand. Die Dame hatte zwar keinen großen Schimmer, was wir von ihr wollten, war aber dennoch gewillt, mir zwei Mal 150 Yuan Anschlussgebühr abzunehmen. Ohne Quittung. Nun ging das Warten auf den Techniker wieder los, was abermals ein paar Tage dauerte. Und dieser kommt dann lediglich mit der Nachricht, dass es nicht geht, bzw. es überhaupt keinen Unterschied machen würde, da eigentlich auch die Lehrer-Anschlüsse jetzt nur noch mit Dr.Com funktionieren würden und Inga wohl Glück hätte, dass sie den Account von ihrem Vorgänger übernehmen durfte.

Zumindest rückt die Dame aus dem Büro die Kohle wieder raus, die wir jetzt wahrscheinlich in einen etwas teureren WLAN-Stick investieren werden. Denn wir brauchen das VPN nicht nur für Blogs und so weiter, sondern auch für Fachliteratur, über die wir nur so zugreifen können.

Nun, der Rotz mit dem Internet ist ein Grund, warum es in letzter Zeit eher wenig von mir zu lesen gibt. Ein anderer ist, dass ich momentan einen ziemlichen Hals auf viele kleine Unzulänglichkeiten habe und befürchte, dass meine Berichterstattung in erster Linie negativ ausfällt. Aber das will ich ab jetzt ändern.

Also: Das Essen hier mundet nach wie vor sehr, ist vielfältig und täglich günstig zu erwerben. In der Hostel-Bar schenkt mir Bambi als einzigen am Tisch ein Eis, weil wir alte gute Freunde sind. Und auch Cathy klärt mich auf, dass sie mich vermisst hat und nachdem sie erfahren hatte, dass ich zurückkommen würde, ihren Job als Lehrerin hinschmiss, um wieder in der Hostel-Bar zu arbeiten und natürlich um mich zu bedienen. Sie faselt auch noch etwas von wegen, dass die Bezahlung als Lehrer viel schlechter war, aber da schwebe ich schon auf Wolke 7. Das 1+1 gibt es jetzt leider nicht mehr an altbekannter Adresse, da man sich dachte, man müsse die komplette große Oststraße umbauen, und die neue Location ist jetzt auch nicht soo spitze, zumal die Garderoben-Hexe mit umgezogen ist, dafür darf man aber in das Salsa wieder ohne Ausweis. Zudem sind wir in der großen Expats-Familie aufgenommen worden und an den Tischen der Iraner, Sudanesen, Deutschen… halt den ganzen Internationalen, gern gesehene Gäste. Und beim Fußball gewinnen wir regelmäßig und man sieht mich sogar auf meiner Außenbahn, wenngleich ich noch nicht sonderlich viel reiße.

Wenn das nicht mal großartige Nachrichten sind im Vergleich zu all den Beschwerden, die ich hier in letzter Zeit platziert habe. Beziehungsweise platzieren lassen habe. Denn ich kann das ja momentan nicht mehr.

 

Attention: open in a new window. PDFPrintE-mail

#013: 12.03. – 17.03.: „Frischlinge.“

Friday, 25 March 2011 23:19 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

There are no translations available.

Vor einigen Tagen wurden wir auf der Straße angesprochen. Auf Deutsch. Und mit der Frage, ob wir nicht die Stuttgarter seien. Unsere verdutzten Augen erblickend klärte er uns rasch auf, dass er Prof sei aus Deutschland und gerade ein paar seiner Studenten an der Uni, die auf der anderen Straßenseite unseres Campus' steht, abgeliefert hatte. Diese würden kein Chinesisch sprechen und seien auch nur für ein Semester da, wenn wir sie mal treffen würden, sollten wir sie doch bitte mal ansprechen und vielleicht unterstützen.

Gesagt, getan. Für den heutigen Samstagabend sind wir zum Essen verabredet und gegebenenfalls zu mehr, da man heiß ist, endlich mal das Nachtleben hier auszukundschaften. Und ohne Plan sei das nicht so einfach. Was für ein Glück, dass wir so eine soziale Ader haben und uns ihrer annehmen, obwohl ich den ganzen Nachmittag auf dem Fußballplatz stand und in drei Spielen vier Halbzeiten abreißen durfte.

Wir sitzen im Haidilao, dem, so sagt man, besten Feuertopfrestaurant. Und es ist auch gut. Aber ich sehe gleich, dass man Leute, die nicht so viel über Land, Leute und Kultur wissen, mit den einfachsten Dingen hier doch überfordern kann. Zunächst zweifle ich daran, ob sie wirklich heiß auf das Nachtleben sind. Denn ein Bier könnte man doch nicht ohne Grundlage runterkippen, auch wenn wir die Gläser immer nur für zwei Schlücke füllen. Und dann ist das auch noch so kalt! Dabei soll man eigentlich froh sein, wenn das Bier in China mal kalt ist. Denn gerade im Winter tut man sich hier schwer, überhaupt den Kühlschrank anzuschalten. Nun gut, für die Frischlinge darf's dann doch zunächst Tee sein.

Es geht weiter damit, dass man sich einen Dip zusammenstellen darf, in den man das gefeuertopfte Essen tunken kann. Da mischt man dann ein wenig Knoblauch, Koriander, Erdnusssoße und scharf zusammen und es schmeckt vorzüglich. Dennoch scheint man in China nichts wiederzuerkennen, sodass ich zunächst jede kleine Zutat erklären muss, sie dann aber mal alleine wurschteln lasse. Das Ergebnis lässt mich innerlich mit dem Kopf schütteln, denn nach 15 Minuten kommt man ohne Schale zurück an den Tisch. Sei zu schwierig. Wir veranlassen noch die Bediensteten, was gutes zusammenzustellen, aber dann ist das eine leider noch erdnussiger als das andere.

Der Rest schmeckt dann auch. Naja, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mir den Spaß erlaube und geronnenes Entenblut bestelle. Ich kläre sie zunächst nicht auf und einige probieren sogar diesen „chinesischen Wackelpudding". Nun, da es zumindest nicht störend schmeckt, rücke ich mit der Wahrheit raus. Zumindest kotzt niemand anschließend, aber es wird mir doch etwas übel genommen. Es geht sogar so weit, dass wir den Feuertopf wechseln müssen (für 40 RMB), da Madame nichts mehr essen könnte, wenn blut drin schwamm. Naja, aber dann in Deutschland Wurst fressen und das Steak auch bitte möglichst englisch…

Einen peinlichen Moment des Schweigens beschwören wir auch noch herauf, nachdem der Prof einige Male anruft und ein wenig Panik wegen Japan und so verbreitet. Schlimme Sache, keine Frage, aber noch sind wir 3500 km weit davon entfernt und der Wind zieht eigentlich in die andere Richtung, weshalb man bei uns nicht viel zu befürchten hat. Wir versuchen dann nämlich die Stimmung aufzuhellen, indem wir erst die beruhigenden Fakten auf den Tisch legen und anschließend die Meinung vertreten, dass wir, wenn das Ende sowieso unaufhaltsam sind, die letzten Züge unseres jungen Lebens mit Spaß verbringen sollten. Kommt jetzt nicht sooo gut an.

Der Abend endet dann im 1+1. Ja, es gibt noch die Garderoben-Hexe und ja, man kriegt immer noch eine Flasche Whisky geschenkt, wenn man eine kauft und ja, wir sind wieder die letzten im Club. Dass der Abend dann auch noch deutlich angenehmer wird, ist den Bachelor-Studenten zu verdanken, die sich später zu uns gesellen.

Die nächsten Tage verlaufen ereignislos bis wir am Mittwoch abermals unser neues Stammrestaurant am alten Campus besuchen. Hier werden wir richtig geliebt. Es wurde uns ein Separé eingerichtet und wenn wir etwas bestimmtes essen wollen, sollen wir es vorher nur sagen und man würde alles daran setzen, den besten Koch der Stadt für jenes Gericht zu beschaffen. Heute sitzen wir allerdings im Dunkeln, weil Stromausfall herrscht. Essen fällt damit zunächst flach, aber die Stimmung ist bei Kerzenschein und Gitarrenmusik so romantisch, dass wir mal wieder gerne länger sitzen bleiben.

Um 4h41 des Nachts, ich befinde mich im süßen Land der Träume, werde ich angerufen. Es ist eine der Frischlinge. Sie fragt mich, warum es am Flughafen dunkel sei und die Türen verschlossen und was überhaupt der Taxifahrer von mir wolle. Ich kläre sie auf, dass man auf Baustellen (wie auch in dem Moment) zwar gerne auch mal die Nacht durchrackert, die nicht-internationalen Flughäfen aber gerne mal schließen. Nun habe ich aber die Fragen, was sie am Flughafen macht und warum verflucht noch einmal so früh. Nun, unsere Worte damals im Restaurant konnten sie nicht beruhigen, ihr Flug Richtung Beijing (also rein theoretisch der Wolke entgegen) geht um acht Uhr in der Früh. Der Weiterflug gen Heimat soll ebenfalls später erfolgen.

Und da waren die Frischlinge nur noch zu viert.

Attention: open in a new window. PDFPrintE-mail

#012: 09.03. – 11.03.: „Here is not Kara OK Hall.“

Monday, 21 March 2011 20:42 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

There are no translations available.

Mittwoch bedeutet für uns ab jetzt jede Woche zunächst Vorlesung auf dem neuen Campus und anschließend Essen mit den „Kleinen“ (die Bachelor-Studenten) im neuen Sichuan-Restaurant. Heute wagen Martin und ich zudem noch einen Gang durch’s Dorf. Also dem, was noch vom Dorf übriggeblieben ist. Und das ist nicht viel.

Wie schon beschrieben sieht das hier aus wie im Kriegsgebiet. Das alte Sichuan-Restaurant ist geplündert, alles zerstört und hie und da liegt ein Haufen menschlichen Kots. Häuser sind halb abgerissen, man kann in die oberen Stockwerke gucken, wo noch die Möbel an ihrem richtigen Platz stehen, mittlerweile ziemlich zugestaubt. In den Trümmern sitzen Alte, Kinder und vor allem Frauen, bewaffnet mit Spachtel oder Metallsäge, um den Mörtel von den noch heilen Backsteinen zu kloppen oder die noch verwendbaren Metallstreben zu entnehmen. Die jüngeren Männer stehen zumeist mit Zigarette daneben und achten darauf, dass die Steine geordnet auf dem kleinen LKW abgelegt werden.

Vor einem kaputten Haus sitzen drei Greise, die sich auch nicht mehr zu viel zu erzählen haben. Da sind wir ein gefundenes Fressen und etwas Smalltalk findet statt. Verbittert oder traurig ist hier allerdings schienbar niemand. So sei es dann wohl und wenn es doch dem Staate hilft. Gut, ich kann auch nichts dazu sagen, ich weiß ja nicht, wo die Bevölkerung jetzt untergekommen ist.

Aber Martin hat es schon richtig analysiert: Wenn man in einem anderen Land in einem solchen Viertel leben darf und zwei Ausländer durchlaufen, die eine Kamera im Wert eines Jahresgehalts um den Hals hängen haben, dann kommt einem bestimmt nicht als erstes die Frage in den Sinn, wie lange man von Deutschland nach Beijing fliegt, sondern viel mehr, wie viel es wohl braucht, um die beiden niederzustrecken um ihnen die Kamera zu entreißen.

Das spricht dann doch wahrlich für dieses Land, dass mir nie ein mulmiges Gefühl dabei aufkommt.

Gerne würde ich viele Fotos von arbeitenden Personen machen, leider sind wir aber dann eher der Blickfang und somit ruht man zumeist und blickt uns neugierig hinterher. In einem der Trümmerhäusern ist noch ein Kindergarten aktiv. Dieser ist gerade aus und die Kinder prügeln sich beinahe darum, wer denn jetzt im Bus vorne sitzen darf. Das kann ich dann auch gut verstehen, da der Bus nur von den Proportionen einem Bus gleicht, von den Dimensionen aber eher an einen Smart rankommt, weshalb die, die nicht zu den drei Glücklichen aufm Beifahrersitz gehören, wie in einem Tiertransport übereinander gestapelt noch gerade Platz um uns zu Winken haben.

Nachdenklich hat dieser Spaziergang gemacht, Zeit für was Angenehmeres. Im neuen Sichuan zählen wir bei unserem zweiten Besuch schon zu den Stammkunden, dem Chef liegt sehr viel an unserem Wohl. Er zeigt mir stolz den Nebenraum, den er für uns gerade einrichtet, damit wir beim nächsten Mal nicht beim gemeinen Pöbel sitzen „müssen“. Oder vielleicht will er nur den Rest vor uns verschonen?!

Zudem macht er uns das Angebot, dass wir jedes Gericht, das wir mal essen wollen, ihm nur mitteilen müssen und für das nächste Mal hätte er dann bestimmt das Rezept gefunden und man würde es uns zubereiten.

In Anbetracht dieser Gastfreundschaft wäre es fast doch wieder die Überlegung wert, bei Freiwerden einer Wohnung zurück auf den neuen Campus zu ziehen. Einen weiteren Grund dafür finden wir nämlich später, als uns noch zwei der „Kleinen“ zu uns begleiten, genauso wie Yoyo und ein Chinese, den wir auf dem Weg anquatschen. Wir amüsieren uns noch ein bisschen, bis einer einmal an der Musikanlage spielt. Prompt klopft es an der Tür und ein Nachbar von oben oder unten steht vor der Tür, guckt Martin kurz an und dreht sich wieder um, als wir die Musik wieder etwas leiser drehen. Wir konnten uns bei der Lautstärke zwar noch gut unterhalten, aber vielleicht ist er doch etwas sehr empfindlich.

Am nächsten Morgen wecke ich dann die ganze Meute, die irgendwo in unserer Wohnung pennt, mit den wohligen Klängen von Alexander Marcus. Lukas kann ein Lied davon singen, wie schön es ist, mit „Guten Morgen, es ist ein schöner Tag…“ geweckt zu werden. Sieht unser Nachbar nicht und er klopft wieder. Ich bin da bereits unter der Dusche und träller den Text mit, bis die Musik wieder verstumpft. Der gute Nachbar sagt wieder nichts, sondern dreht sich abermals wortlos wieder um.

Wir denken uns somit nichts weiter dabei und gehen zum Unterricht der guten Frau Ai. Was habe ich sie vermisst! Mit ihr haben wir Chinesisch im Deutschclub auf dem alten Campus. Hier hängt noch die Weihnachtsdeko von vor vier Jahren und leider hatte man beim letzten Besuch, der liegt schon einige Monate zurück, vergessen, das Fenster zu schließen. Die Staubschicht ist also noch einmal dicker, als in unserer Wohnung und wir haben nur zwei Lappen und einen Wischmob als Mittel, um den ganzen Rotz aufzuwischen. Frau Ai hilft uns dabei und ist auch ein wenig schockiert, aber so ist das eben. Sauber ist dann auch was anderes, aber es reicht für die Vorlesung.

Anschließend klebt bei Rückkehr in unsere Wohnung ein Zettel an der Tür, ausgedruckt, mit den Worten „Don’t Disturb Other Persons Rest, Please. Here is not Kara OK Hall.“

Da ist wohl jemand ziemlich angepisst von unserer Musik oder meinen Gesang unter der Dusche. Unmittelbare Nachbarn, die Barbara aus England und Inga aus Deutschland haben uns zwar noch nie gehört, aber vielleicht sind sie auch nur gut durch den Baustellenlärm abgestumpft der von hier Aufgewachsenen nicht als Lärm wahrgenommen wird.

Über den Tag hinweg kommen dann noch Anrufe sowohl von der Betreuerin als auch vom Auslandsamt-Mitarbeiter, dass man da vielleicht nicht so laut sein sollte. Was habe ich diese Anrufe vermisst! Wir versprechen natürlich Besserung, haben aber bereits eine Krawatte bis sonstwo. Eine gesunde Nachbarschaft beginnt bei mir nämlich nicht mit Petzen oder Zettel-Mitteilungen.

Vielleicht befestigen wir aber auch einfach noch ein Schild unten vor der Haustür mit den Worten „Kara OK Hall: 4. Stock“

Attention: open in a new window. PDFPrintE-mail

#011: 06.03. – 08.03.: „Baustelle.“

Sunday, 20 March 2011 14:40 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

There are no translations available.

Die sind doch nicht mehr ganz dicht, dich Chinesen. In meinen Augen. Martin hat mir erklärt, dass ich solche Behauptungen immer als eigene Meinung deklarieren muss, damit man mir keine schlechte Rede anlasten kann.

Also meiner Meinung nach sind die hier nicht mehr ganz dicht. Nicht alle, aber so einige und so insgesamt gesehen. Von der Baustelle 20 Meter von meinem Fenster entfernt berichtete ich bereits. Dass diese Baustelle Schuld daran trägt, dass ich seither keine Nacht wirklich durchschlafen konnte, darüber möchte ich jetzt mein Leid klagen. Denn diese Baustelle wird rund um die Uhr, also 24/7 bearbeitet. Nicht gerade schnell und produktiv, aber laut.

Selbstredend herrscht hier wieder eine Überbeschäftigung sondergleichen. Wenn unten einer die frisch angelieferte Erde mit einem museumswürdigen Gerät (ein rotierendes Gewicht sorgt dafür, dass eine Metallplatte durch die Fliehkräfte erst kurz angelupft und dann auf den Boden gehauen wird) platt und fest haut, laufen zwei hinterher, um das Kabel dafür richtig zu verlegen und einer guckt sich das rauchend an. Das wird meistens tagsüber erledigt und ist das einzige, was ich sehe, da das Baugerüst mit seinem grünen Netz mir jegliche Sicht auf das Innere raubt. Des Nachts ist man hingegen dabei, Beton in die oberen Stockwerke zu transportieren. Dabei macht der Betonmischer zunächst krach. Dass der Beton fertig ist höre ich dann daran, dass der Kran, ein scheinbar nicht sehr gut geölter, rotiert und das Reiben von Metall auf Metall ein quietschend schrilles, vor allem lautes Geräusch von sich gibt. Weiter oben hockt dann ein Arbeiter auf der Metallstrebe, mit der einen Hand sich festhaltend, mit der anderen den Betonmischer an sich heranziehend, im Mund eine Zigarette und nur gesichert durch seinen Kollegen, der ihn hinten an der Gürtelschnalle festhält. Der Betonmischer befindet sich nun über einer Holzplanke. Ein glattes Brett, an deren Seiten zwei schmalere Bretter montiert sind, sodass eine Rinne entsteht. Leider ist die Öffnung des Betonmischers jetzt etwas breiter als dieses Brett, weshalb ein nicht beachtlicher Teil beim Entleeren dieses Brett verfehlt und nun im grünen Netz hängen bleibt oder auf dem am Tage noch geglätteten Boden landet. All diese Geräusche mischen sich mit weiterem Gehämmer, LKW, Baggern und alle dem, was sonst noch auf einer Baustelle so anfällt. Durch die Einfachverglasung und keinerlei Abdichtung im Fensterrahmen macht es somit auch keinen Unterschied, ob ich das Fenster dabei geöffnet lasse, oder es schließe, ich werde sowieso meistens wach. Ohrstöpsel leisten da nur geringfügige Abhilfe.

Somit kann ich fast froh sein, dass wir erst nachmittags Vorlesung haben, denn die einzige Ruhephase ist morgens zwischen 7 und 8, wenn es ans Frühstück oder den Schichtwechsel geht.

Grundsätzlich kann man sowas ja mal mitmachen, allerdings vermisse ich den sichtbaren Fortschritt hier und Yoyo und Spätzle haben schon angekündigt, dass das hier noch ne ganze Zeitlang so weitergehen wird.

Attention: open in a new window. PDFPrintE-mail

#010: 04.03. – 05.03.: „Fußball. Begrenzt .“

Tuesday, 15 March 2011 15:19 | Last Updated (Tuesday, 30 November 1999 00:00) | Written by Mirko

There are no translations available.

Ein kleiner Grund für meine Vorfreude auf China war der, dass ich endlich wieder regelmäßig Fußball spielen könnte. In Stuttgart war das ja nicht so möglich, da die Unisport-Kurse wenige Augenblicke nach Start der Online-Registrierung voll waren und eine Anmeldung bei einem Verein mir zu bürokratisch erschien.

Drum galt mein zweiter Anruf in Xi’an dem guten Dandan, der uns vor zwei Jahren bereits für sein Team rekrutierte. Und ich bin wieder Willkommen, was auch sonst. Ich bin also ganz brav, an diesem Freitagabend und nutze ihn nur dafür, mich mit Fußballschuhen und Trainingsanzug einzudecken, morgen will ich fit sein.

Wie abgemacht bin ich um halb drei auf dem neuen Campus. Dieser sich hat über das letzte Jahr um einen weiteren Sportplatz erweitert. Dieses Mal sogar mit Zaun hinterm Tor, sodass man nicht immer laufen muss, wenn man mal daneben schießt. Leider ist der Zaun aber auch nur so mittelhoch. Also quasi nur so hoch, dass ein strammer Schuss von hinterm Strafraum, der nur ganz knapp über die Latte geht, auch unmittelbar über den Zaun gehen muss. Und hinterm Zaun, den man jetzt nicht so leicht übersteigen kann, ist entweder, und das ist noch ganz gut, ein Basketballfeld, oder eben, und das ist jetzt nicht so gut, eine tiefe Baugrube.

Tja, Dandan bleibt seiner Linie treu und bestellt mich natürlich viel zu früh auf den Sportplatz. Ich darf mir also erst noch ein komplettes Spiel mit Rumpelfußball angucken. Dann ist noch etwas Pause. Und bis dahin haben sich dann auch so 25 Spieler aus unserer Mannschaft eingefunden. Ein jeder natürlich mit der Ambition, auch zu spielen.

So darf ich die erste Halbzeit auf der Außenbahn ran und die zweite dann ganz außen, nämlich draußen. Sonderlich viel an den Ball komm ich nicht, weil ich scheinbar zu weit außen spiele. Da ist zwar überhaupt kein Gegner und ich hätte durchaus Platz zum Durchstarten, aber Dank Tunnelblick unserer „Spielmacher“ beschränkt sich das Spielfeld auf die Breite des Strafraums. Für’s nächste Mal darf ich mir also vormerken, dass ich mich zu den anderen in die Mitte stelle, und sofern ich dann mal den Ball bekomme, den Zauberpass versuche, hoch über die Abwehr in den Lauf unseres Stürmers. Hat in diesem Spiel zwar nicht einmal geklappt, versucht wird es aber immer wieder.

Naja, wir gewinnen trotzdem noch. Ich werde mir das auch noch ein paar Mal mit anschauen und dann gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen.

Leidtragender des späten Anpfiffs ist dann im Übrigen Arne, der mich bereits nach drei Wochen Abstinenz vermisst und während seines China-Urlaubs einen Abstecher nach China unternimmt. Nach einem Besuch in der Hostelbar, wo man sich unserer noch gut entsinnt, wird bereits um Mitternacht notdürftig aus Sofapolstern ein Bettchen für ihn gezimmert.

Ganz schön brav für das erste Wochenende.

Page 8 of 41


Joomla Template by younic Joomla & Webdesign based on a Design by Free CSS Templates and beezDivision